A snipet of Christmas – oder „Advent, Advent, der Kittel brennt…“

Sind Weihnachten, der Advent, das Nikolausfest tatsächlich nur noch eine riesige, von der Industrie und vom Handel gepushte Konsumshow? Oder gibt es ihn doch noch irgendwo, den Geist der Weihnacht, der Ebenezer Scrooge zum besseren Menschen gemacht hat, der die Menschen einander näher und die Mildtätigkeit in uns zum Glänzen bringt? Sind wir, all der Geschäftigkeit und all dem Stress zum Trotz doch in der Lage, zum Jahresende mal zu entschleunigen, uns zu besinnen und den besseren Teil unserer Selbst ans Steuer zu lassen, um die Jahreszielgerade mit Augenmaß zu befahren? Und sind wir fähig, über unseren Schatten zu springen und die durch unser Christsein (sofern, wir tatsächlich welche sind) und die somit gebotene Barmherzigkeit und Nächstenliebe auch auf jene auszudehnen, die eines anderen, oder gar keines mosaischen Glaubens sind?

Natürlich, um dies gleich vorweg zu nehmen, kann ich diese Fragen, wenn überhaupt nur für mich selbst beantworten. Jeder mag für sich selbst feststellen, wie er dazu steht. Ich glaube allerdings, dass die Beschäftigung mit diesen Fragen wichtig und fruchtbar für jeden von uns sein kann. Ob das allerdings ausschließlich aus dem Anlass des heran nahenden Weihnachtsfestes sein muss, kann man diskutieren, denn eigentlich sollte man ja das ganze Jahr über Christ sein und nicht nur, wenn der wohlschmeckende Glühwein daran erinnert, dass man mal wieder mit den Kindern in die Kirche gehen könnte…

Ich habe kleine Kinder und die freuen sich auf Weihnachten. Natürlich auch wegen der Geschenke (Konsum: Check!); aber ich kann genau spüren, wie sie die Stimmung der Erwachsenen aufsaugen und wenn diese eine gewisse Festlichkeit zeitigt, spüren die Kinder das und machen mit. Außerdem lieben wir das Brauchtum, auch wenn es bedeutet, mit der Familie zusammen sein zu MÜSSEN (Freunde kann man sich halt aussuchen, Verwandte nicht!). Ich spüre die festliche Stimmung meist erst dann, wenn es wirklich soweit ist (Entschleunigung: Check!) und lasse mich dann auch gerne zum Spenden hinreißen (Mildtätigkeit: Check!). Ob ich mich wie ein Christ verhalte, oder nur mein Gewissen beruhige, darüber müssen andere richten! Zu einem besseren Menschen macht mich Weihnachten allerdings sicherlich nicht, denn ich bin davon überzeugt, dass ich meinen Umgang mit anderen Menschen jeglicher Herkunft nicht von einem religiösen Fest abhängig machen möchte. Dafür bin ich zu sehr säkular orientiert und ebenso sehr humanistischen Werten verpflichtet.

Wie auch immer, ich wünsche allen eine erquickliche Adventszeit und wenn’s dann soweit ist auch frohe Weihnachten! Wir können es alle brauchen…

Veröffentlicht unter Schnipsel | Hinterlasse einen Kommentar

Angst ist ansteckend!

Manche Mechanismen sind wirklich einfach zu erklären: So wie sich Viren bei mangelhafter Hygiene sehr schnell in größeren Menschenansammlungen verbreiten, tun dies auch gewisse Emotionen; insbesondere Angst und Stress. Unsere Trieb- und Instinktausstattung, beheimatet im limbischen System, ist seit jenen Tagen, da wir im Lendenschurz und nur mit einem Holzstecken in der Hand Mammuts gejagt haben, zuerst darauf ausgelegt, mögliche Gefahren zu erkennen. Will heißen, unser Unterbewusstsein ist seit Jahrtausenden darauf getrimmt, alles und jeden darauf abzuchecken, ob’s Probleme geben könnte. Nun sind heutzutage existenzielle Bedrohungen zumindest für den zivilsationsgeschädigten Golo auf der Straße eher selten, wenn man es vermeidet, sich so dämlich anzustellen wie… oh, ja, ähm, so dämlich wie nicht wenige Andere: an Elektrik und Gasleitungen rumspielen, mit Kopfhörern im Straßenverkehr rumtaumeln, viel zu schnell Auto fahren, und manch anderes sind ja offenkundig voll im Trend. Aber wenn man von solchen Missachtungen der eigenen Sterblichkeit mal absieht, ist die Zahl unserer Fressfeinde doch eher überschaubar.

Da man sein Unterbewusstsein aber gar nicht abschalten kann, muss es sich irgendwie beschäftigen, was aber ohne tägliche Bedrohungslagen im normalen Umfeld dazu führt, dass es sich mit allem möglichen beschäftigt, egal ob nah oder fern, bekannt oder unbekannt, relevant oder irrelevant. Denkt man das zu Ende, verwundert es nicht, dass wir unbewusst überall Gefahren sehen und stets das Schlimmste erwarten – leider hoffen wir im Umkehrschluss nicht immer auf das Beste, wie das nämliche Sprichwort dies nahelegen würde. Und schon weiß man auch, warum Menschen sich vor Veränderung ängstigen. Routinen und Beständigkeit suggerieren uns Sicherheit und nur wer sich sicher fühlt, blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Doch genau diese Zuversicht ist es, die uns Pläne machen und an diesen arbeiten lässt. Ohne Glaube an eine sichere Zukunft verlieren jedoch alle Gewissheiten ihre Gültigkeit und die Angst macht sich breit. Diese Angst, einfach Alles zu verlieren.

Man könnte das jetzt als irrationalen Quatsch abtun und die Menschen mit Nachdruck darauf hinweisen, dass sie doch einfach mal nachdenken sollen, bevor sie sich von Ungewissheiten so weit ängstigen lassen, dass sie Alles über die Grundlagen des Zusammenlebens vergessen, bzw. verdrängen. Könnte man. Macht aber keinen Sinn! Die haben also Angst, dass ihr Leben schlechter werden könnte, weil jetzt Flüchtlinge ins Land gekommen sind. Messbar ist zwar noch nichts passiert, aber das allzu Fremde wird immer als Bedrohung interpretiert, also muss man dagegen vorgehen. Nun sind die Migranten keine Säbelzahntiger und heute gibt es zudem ein Strafgesetzbuch, dass Gewalt als Mittel zur Meinungsäußerung nicht mehr legitimiert. Folglich kann man die nur jagen und killen, wenn man auf die Regeln unseres Staates scheißt. Oder man hetzt, agitiert, verleumdet, mobbt, bedroht, aber immer schön so, dass es noch nicht strafbar ist – und wählt die Rechten, weil die ja machen, dass alles so bleibt, wie es immer war.

Ich verstehe, warum das so ist, weil ich mit Sozialpsychologie und Kommunikation ein wenig auskenne; aber ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass Menschen glauben, ihre Saturiertheit gegen Menschen verteidigen zu müssen, die alles zurückgelassen haben für die vage Hoffnung, dass es hier friedlicher sein möge. JA, es sind auch Arschlöcher dabei (Terroristen sind dumme, asoziale Arschlöcher und bekommen von mir keine eigene Bezeichnung mehr), JA, es sind Verbrecher dabei, JA, es sind Menschen mit einem anderen Kulturverständnis dabei – NEIN, es sind NICHT ALLE VERBRECHER, ARSCHLÖCHER, oder darauf aus, unsere Kultur zu vernichten. Was auch immer den Kern „unserer“ Kultur konstituieren mag.

Aber alle Rechten verfolgen eine im Kern neoliberale Agenda, welche die soziale Sicherheit der Mittelschicht untergräbt und nur den wirklich Reichen nutzt. Alle Rechten haben kein Interesse an sozialem Frieden und sozialer Sicherheit, weil eben Sicherheit und Zuversicht den Nährboden des Populismus vernichten; und keine Rechte Partei will sich selbst abschaffen. Kein Rechter wird dafür sorgen, dass alles so bleibt, wie es ist; vielmehr verfolgen alle Rechten ein Politik-Ideal, das Bürgerrechte einschränkt, freie Lebensentfaltung beschneidet und die Uhren in den Faschismus zurückdrehen möchte.
Ehrlich gesagt bin ich es satt, immer und immer wieder erklären zu müssen, warum die Alternative für Deutschland darin besteht, einfach die Ärmel hochzukrempeln und an der Gestaltung unserer Zukunft konstruktiv mitzuarbeiten, anstatt immer zu beklagen, das alles den Bach runtergeht. Wenn tatsächlich alles so sehr den Bach runterginge, wie das schon seit Jahren behauptet wird, müssten wir Kilometerlange Schlangen vor Suppenküchen haben, während sich in den Vorstädten Slums bilden und Menschen ohne Krankenversicherung elendig verrecken müssen, weil ohne Vorkasse nichts gemacht wird und… oh, stopp. Das waren ja die USA… Man mag mir meinen Populismus entschuldigen, aber mittlerweile glaube ich, dass die ewig gestrigen, anscheinend unbelehrbaren und gar nicht so unterschichtigen Klientel der AfD einfach auf genau die gleiche Art verbal (und falls notwendig auch sonst wie) vor den Koffer geschissen bekommen müssen, wie sie sich dies mir gegenüber erlauben.

Nein, man darf nicht einfach sagen, dass Politiker gehängt gehören. Nein, man kann nicht Migranten für die Probleme in unserem Land verantwortlich machen, wenn die Verantwortlichen jene Eliten sind, welche die Werktätigen in unserem Land mit dem mittlerweile totgerittenen Argument der Wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten Welt immer wüster ausbeuten. Ach und…NEIN – IHR SEID NICHT DAS VOLK! IHR SEID NUR EIN HAUFEN DUMMER, IGNORANTER, BLINDER, TAUBER und ABSOLUT ASOZIALER EGOISTEN! Schämt euch in Grund und Boden, Pack!

Schluss für heute – ich komme wieder, bin wütend genug…

Veröffentlicht unter Cerebralfundstücke | Hinterlasse einen Kommentar

Miteinander? Umeinander? Gegeneinander?

Ich plaudere hier üblicherweise nicht über meine Arbeit, weil sie sensible Bereich berührt, die in einer öffentlichen Kommentierung nichts verloren haben. Doch um noch einmal auf das zu rekurrieren, was ich bereits gestern ausgeführt habe: ich laufe am Limit und einen gewissen Anteil daran hat auch das, was ich nun schildern möchte.

Im Rahmen meiner Arbeit gibt es einen Ort, an welchem es mir mittlerweile zunehmend schwerer fällt, meinen Dienst zu versehen. Einerseits, weil es dort ein paar Kollegen (bei weitem nicht alle, aber doch genug, um es problematisch zu machen) gibt, die ihre Arbeit nicht richtig erledigen und dann auch noch die Frechheit besitzen, sich in die meine einzumischen, weil sie meinen es besser zu können. Ich überlasse die Beurteilung meiner Verrichtungen zumeist anderen, weil Eigenlob stinkt und es zudem an dieser Arbeitsstelle Leute gibt, die das dort Verlangte tatsächlich besser können, als ich. Andererseits findet die Tätigkeit dort in einem unüberschaubaren Feld der Beliebigkeit statt, weil es bei vielen Detailfragen an sinnvollen Vorgaben mangelt und ein Management der Prozessqualität schlicht nicht stattfindet. Der daraus resultierende Umstand, das auf ein und denselben Sachverhalt von drei Kollegen drei vollkommen unterschiedliche Reaktionen erfolgen können, ist der Ergebnisqualität nicht unbedingt zuträglich.

Noch wesentlich problematischer ist aus meiner Sicht jedoch die, zumindest subjektiv gefühlt, vollkommene Führungslosigkeit. Es wird lediglich auf, von Außen vorgetragene Beschwerden reagiert, indem diese ungefiltert und unhinterfragt auf den jeweiligen Kollegen abgewälzt werden. Es gibt keine Rückendeckung, allerdings auch keinerlei regulierendes Eingreifen bei offensichtlichen Fehlern und kein sinnvolles Feedback hinsichtlich der geleisteten Arbeit. Vulgo bräuchte es niemanden, der in diesem Büro sitzt, es sei denn, man findet, der Job sei gut erledigt, wenn dauernd nichtssagende Tabellen und Aushänge generiert werden, die für das dort eingesetzte Personal weder einen strukturierenden Charakter, haben noch irgendwie sonst hilfreich sind.

Es versteht sich wohl von selbst, dass dieser Zustand höchst unbefriedigend ist, wenn man einen gewissen Anspruch an die Qualität der eigenen Arbeit stellt. Und den zu erfüllen, ist unter solchen Rahmenbedingungen nur sehr schwer möglich. Leider kann ich aus meiner Position nur sehr geringen Einfluss nehmen; selbst mein Dienstherr tut sich schwer, hier etwas zu ändern, das die dortige Arbeit in einer kooperativen Struktur besonderer Art erbracht wird und meine Mitarbeit darin gegenwärtig obligat ist.

Bisher habe ich damit dann und wann gehadert, wenn der Tag mal wieder besonders schlecht war, doch jetzt, da ich auch sonst unter erheblichem Druck stehe, ist meine diesbezügliche Frustrationstoleranz bei nahe Null angelangt. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass irgend jemand wieder versucht auf meinem Rücken zu prokrastiniren, oder auf meine Kosten Scheiße baut und dann eskaliere ich, denn ich habe den Kanal von dem dort gezeigten Maß an Unprofessionalität endgültig voll.

Mal schauen, wie das ausgeht, ich wage derzeit keine Prognose.

Veröffentlicht unter Cerebralfundstücke | Hinterlasse einen Kommentar

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

… dass ich so fertig bin? Ich wollte. Ich wollte es im Spätjahr ruhiger angehen lassen. Ich wollte mir eine Prokrastinationsmaschine kaufen. Ich wollte mich nicht forciert mit der Notwendigkeit befassen müssen, für meine Mutter so viele Dinge erledigen zu müssen, weil sie (leider nicht vollkommen unerwartet) ernsthaft krank geworden ist. Immerhin ist sie nun auf dem Wege der Besserung. Aber einen Menschen dieses Alters verpflanzen zu müssen, weil die eigenständige Erledigung des Haushaltes nicht mehr so funktioniert, was damit einher geht, zuvor das Einverständnis der Betroffenen einwerben zu müssen, ist ein langwieriger, zehrender und unbefriedigender Prozess. Das die anderen Verwandten mehr oder weniger offenkundig glauben, man hätte sonst ja nichts Besseres zu tun und daher auch die Pflicht, diese Unannehmlichkeiten abarbeiten zu müssen, macht es NICHT besser. Könnte daran liegen, dass Manche in mir immer noch ein Kind sehen. So ein Altersabstand zwischen Geschwistern kann lästig sein. Jedenfalls ist der Respekt für meine Probleme und Verpflichtungen nicht allzu ausgeprägt. Aber wir neigen ja alle dazu, uns um unser eigenes Zentrum zu drehen; ich mache da gewiss keine Ausnahme. Aber wenigstens etwas Verständnis wäre manchmal wohltuend.

Sich über so was zu beklagen, noch dazu öffentlich, ist vermutlich nicht die allerfeinste Art, aber das ist mir allmählich Wumpe, denn im Gegenzug fragt ja auch keiner, wie ich mit meinen ganzen anderen Verpflichtungen zu Rande komme. Und im Moment lässt sich mit Fug und Recht sagen: beschissen! In der Summe bin ich reif für die Insel – so reif, dass meine Gattin mir sagte, ich sollte mal dringend wieder alleine verreisen. Tja, nur leider kriege ich keinen Urlaub… Ich weiß, ich weiß, wir haben alle so unser Bündel zu tragen. Andere sind ärmer dran, als ich; sie kriegen weniger Kohle für mehr Arbeit, haben auch jede Menge Verantwortung, müssen sie sich um Verwandte kümmern, etc.; was fällt mir nur ein, so das Maul aufzureißen? Well, here comes, why: wenn ich nicht bald zur Ruhe komme, bin ich wieder zurück in 2014. Und ich habe keinen Bock, nochmal 18 Wochen krank zu sein, weil ich mental ausgebrannt bin.

Ich weiß also schon, was das alles bedeutet, aber ich habe keine Lösung und das steigert die Frustration noch zusätzlich. Sehenden Auges auf den Abgrund zu zu rennen, weil man einerseits eine Verpflichtung gegenüber seiner Familie, seinem Job und seinen sonstigen sozialen Kontakten verspürt und auf der anderen Seite zu ehrlich ist, um einfach mal krank zu machen, führt unweigerlich dazu, dass man sich aufreibt. Noch kompensiere ich recht gut, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie lange noch. Es ist ja auch so, dass ich im Moment auf sehr hohem Niveau funktioniere, viele Probleme gelöst bekomme, tatsächlich auch kreativ sein kann  und alles in allem ziemlich gut voran komme. Aber der Preis ist hoch. Und wenn’s nicht doch noch schief gehen soll, muss ich irgendeines meiner Engagements reduzieren. Doch genau an diesem Punkt entsteht ein Dilemma. Scheidewege sind immer gut für Dilemmata und dies ist ein Scheideweg, denn eine Entscheidung wird getroffen werden müssen, denn ich bin nicht bereit, nochmal die Ochsentour zu gehen.

Wie auch immer ich der Sache begegnen werde: irgendwas oder irgendwer wird dabei auf der Strecke bleiben müssen. Und dafür  muss ich jetzt schon um Entschuldigung bitten, denn im Grunde meines Herzens bin ich eigentlich ein Troubleshooter und Caretaker. Gut gemeinte Ratschläge nehme ich übrigens auch in solchen Zeiten nur von Freunden an, Danke der Nachfrage. Vermutlich erklären diese Worte auch, warum von mir mal wieder über 10 Wochen nichts zu hören war, aber ich hatte da was zu verdauen. Allerdings sind mitnichten ich oder dieses Blog tot. Vielleicht wird das hier mal wieder mein Ventil. Fängt ja schon gerade so an.

Sorry für den persönlichen Scheiß! Bis die Tage…

Veröffentlicht unter Cerebralfundstücke | Hinterlasse einen Kommentar

Interpunktion = Interruption?

Ich wurde neulich auf einen Beitrag auf „Wired“ aufmerksam gemacht, der sich darum dreht, dass das Beenden von Textnachrichten mit einem Punkt unaufrichtig sei. Das kann man als selbsternannter Vielschreiber, der selbst stets dem Versuch fröhnt, korrekte Interpunktion zu benutzen natürlich nicht so stehen lassen. Nun ist „Wired“ zum einen ein Publikationsmedium, dass sich vor allem als Organ für Geeks und Nerds versteht und zum anderen ist bei weitem nicht Alles, was die selbsternannten Digital Natives dort von sich geben auch tatsächlich in der realen Welt ernst zu nehmen. Das liegt an der – durch einen teilweise fast blind wirkenden Technologieglauben verengten – auf die Wichtigkeit des Digitalen in unserem Leben ausgerichtete Sichtweise.

Allerdings beruft sich der Artikel auf eine einzelne psychologische Studie zweier kleinerer Fakultäten, die sich, dem Abstract nach auf Befragungen von Studenten stützt. Da ich ehrlich gesagt keine Lust habe, Elsevier für den Artikel einen Zwanni in den Rachen zu werfen, sei hier zum Thema Folgendes gesagt: ich muss mich hinsichtlich Anzahl und Herkunft der Befragten auf den Artikel in „Wired“ verlassen; aber mit n=126 und somit deutlich kleiner 500 und einer nicht korrekt randomisierten Grundgesamtheit, wovon man bei einer Befragung an zwei amerikanischen Uni-Campi getrost ausgehen darf, kann man die Signifikanz der getroffenen Aussagen ebenso getrost in die Tonne treten, egal was für einen Korellationskoeffizienten diese Dösbattel berechnet haben wollen!

Just my five cents…

Interpunktion durch Unterbrechung des Satzes beim Senden von Textnachrichten? Punkte am Ende von Nachrichten wirken gestelzt, weil der Punkt keine Information außer einem Hinweis auf Arroganz transportiert? Habt ihr von eurer eigenen Wichtigkeit berauschten Möchtegernjournalisten bei „Wired“ eigentlich den Knall gehört? Oder kauft ihr euch Romane, in denen es keine Satzzeichen gibt? Schreibt ihr vielleicht selbst ohne Satzzeichen?

Auch JEDE schriftlich niedergelegte Äußerung hat ebenso einen sozialen wie informativen Charakter. Das erste und zweite Axiom Watzlawicks verlieren ihre Gültigkeit auch beim geschriebenen Wort nicht! Weil jedoch verschiedene Subtextinformationen, wie etwa Sprachrhythmik, Tonfall, Gestus, Mimik, etc. beim Textvermittelten Kommunizieren fehlen, ist eine korrekte Strukturierung des Textes notwendig, um die Intentionen des Autors halbwegs verständlich zum Rezipienten zu befördern, auch wenn beim Empfänger Watzlawick ebenfalls gilt: denn der Empfänger macht die Nachricht. Diese Übermittlung funktioniert aber nur, wenn ich Syntax und Interpunktion sinnvoll einsetze, um die pragmatische Ebene meines Kommunikationsversuches zu verdeutlichen. Emoticons helfen hierbei oft nur sehr bedingt…

Also ihr Spacken bei „Wired“: Wenn tatsächlich irgendwelche amerikanischen Studenten ein einsames Satzzeichen als Hinweis auf die Arroganz des Absenders verstehen, ist das deren Problem, weil das Design der Studie keine Verallgemeinerungsfähigkeit beinhaltet. Man könnte es auch wissenschaftlich-handwerklich schlecht gemacht nennen; aber um sowas erkennen zu können, müsste man was von Sozialwissenschaften verstehen, nicht wahr? Wenn man aber eine, noch nicht durch den peer-review gelaufene, überdies schlecht designte Studie als Aufhänger benutzt, um nach einer weiteren Beschädigung unserer Sprache zu verlangen, ist das schlicht sinnentleert dumm!

So genannte Messenger als integraler Teil unserer modernen, sozialen Medien mögen den Nutzer zu einer verkürzten und zwangloseren Form des Kommunizierens anregen; das entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, auch dort wenigstens halbwegs die Regeln des Kommuizierens an sich zu achten. Wir lernen durch unsere Peers und wenn wir auch in ein paar Jahrzehnten noch halbwegs sinnvolle schriftliche Kommunikation erleben wollen, müssen wir auch selbsternannte Digital Natives daran erinnern, dass korrekte Interpunktion niemanden tötet, niemanden herabsetzt und gegenseitiges Verstehen erleichtert. Sprache als Ausdruck unseres Intellekts ist nämlich so ziemlich das Einzige, was uns vom Tier nachhaltig unterscheidet. Und da so viele junge Menschen so viel Zeit an ihren Smartphones, etc. zubringen, ist dort einer der Orte, an denen wir ihnen sinnvolles, zielgerichtetes, respektvolles Kommunizieren beibringen können und müssen. Und dazu gehört auch der korrekte Gebrauch der Grammatik; incl. Interpunktion!

Ich bin ein Digital Immigrant und ich glaube durchaus an die hilfreichen Seiten moderner Technologien; das ändert aber nichts daran, dass wir in Jahrtausenden mühsam erarbeitet Konventionen nicht nur deshalb unhinterfragt über Bord werfen sollten, weil es gerade hip ist. Vielleicht lernt auch ihr Superknaller bei „Wired“ diesbezüglich mal noch ein bisschen was dazu, das wäre echt wohltuend…

Veröffentlicht unter Cerebralfundstücke | Hinterlasse einen Kommentar

A snipet of sincerity!

Zunächst einmal eine aufrichtige Entschuldigung an alle, bei denen ich mich nicht so regelmäßig melde, wie es einer sozialen Beziehung eigentlich angemessen wäre! Ich bin einfach vergesslich, von meiner eigenen Agenda gesteuert, von meinen alltäglichen Verrichtungen vereinnahmt und manchmal schlicht faul. Aus dieser Mischung entsteht eine milde Form von Sozialautismus (nicht zu verwechseln mit der echten Krankheit, die übrigens nicht durch’s Impfen entsteht, auch wenn es da draußen immer noch genug ignorante Idioten gibt, die irgendwelchen Scharlatanen hinterherrennen wollen). Und dieser Sozialautismus führt dazu, dass ich manchmal, wenn ich schlecht schlafe, nachts um halb Drei mit dem Gedanken wach liege, dass man doch mal mit dem, oder dem was Nettes unternehmen müsste; einfach weil… Das Schöne, wie auch Schlimme daran ist, dass solche Gedanken, genauso wie Träume zumeist eine Minute nach dem morgendlichen Erwachen zerfasern, um wieder im Limbus des Unbewussten zu verschwinden. Na ja, ich träume vermutlich gelegentlich tagsüber schon zu viel, um auch noch so was meine Aufmerksamkeit schenken zu können.

Sich zu unpassenden Gelegenheiten seiner gefühlten sozialen Verpflichtungen zu erinnern ist ja sowieso eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Zum einen, weil wir dazu neigen, auch aus einer eventuell eher losen Verbindung mit Jemandem eine Notwendigkeit zur Kontaktpflege ableiten, die der Andere vielleicht schon lange nicht mehr so deutlich wahrnimmt. Zum anderen, weil soziale Medien einen ungeheuren Druck aufbauen, für andere präsent sein zu müssen. Dazu fällt mir nur Großstadtgeflüster ein: „Ich muss gar nix, außer atmen, trinken, essen und ficken und ab und zu nachts um vier nen Burger verdrücken…“. Bloß, weil ich jemanden bei einer der unzähligen Gelegenheiten die unser Leben dazu feilbietet kennengelernt habe, heißt das nicht, dass diese Person an meinem Leben teilhaben darf – außer ich lade sie explizit dazu ein. Und, NEIN – eine Facebook-„Freundschaft“ bedeutet nicht, tatsächlich befreundet zu sein!

Überdies verändern sich unsere Beziehungen im Zeitlauf immer wieder. Nicht nur qualitativ (der Umgang mit meinem besten Freund aus Schultagen ist heute anders als vor 20 Jahren), auch unsere Beziehungspartner verändern sich. Oder hängt ihr alle noch mit euren Homies von der Grundschule ab? Und diese Komplexität unserer individuellen sozialen Netze, die überdies eine gewisse Tendenz aufweist, zur Lebensmitte hin immer unübersichtlicher zu werden führt zu zwei Mechanismen: sozialer Überforderung, die wiederum dazu zwingt, zwischendrin einfach mal abzuschalten und selektiverem Umgang mit den Kontakten; man meldet sich einfach bei denen, mit denen jetzt gerade was Gutes läuft und blendet die anderen aus. Jeder von uns hat nur eine begrenzte Menge Zeit zur Verfügung und möchte zumindest in seiner Freizeit einen möglichst großen „Nutzen“ erzielen. Also eine gute Zeit mit netten Menschen verbringen. Und die Definition von „Nett“ ändert sich ebenso wie die Menschen, die diese in unseren Augen erfüllen sollen.

Wenn ich mich also mal länger nicht melde, weiß ich vielleicht mit einer bestimmten Person jetzt gerade nichts anzufangen, bin anderweitig ausgelastet oder schlicht vergesslich. Seht mir dies bitte einfach nach, denn ihr seid kein Jota besser…

Veröffentlicht unter Schnipsel | Hinterlasse einen Kommentar

Rückkehrer-Blues…

Ich habe gerade einen Regenbogen gesehen! Einen kompletten, von Boden zu Boden und in allen Farben… nun des Regenbogens eben. Klingt nicht gerade spektakulär, oder? Für mich jedoch war dieses eher seltene Naturschauspiel geradezu magisch. So magisch, dass ich im Nieselregen stehen blieb und ihm beim Verblassen zusah, während die Sonne hinter dem Waldrand am Versinken war. Für einen Moment war ziemlich klar, warum unsere Vorfahren der Natur einst etwas Mystisches zusprachen, denn, wenn man nie Physik in der Schule gehabt hat (und selbst bei Manchem, bei dem dies der der Fall war, und er’s trotzdem nicht kapiert hat), wirkt das Spiel der Spektralfarben am Himmel irgendwie magisch. Und wenn man sich ein klein wenig Mühe gibt, kann man das olle Prisma vergessen und es wirkt auch für uns Zivilisationsverseuchte Moderniker wieder irgendwie mystisch.

Ich fühle in solchen Momenten, wie sich das wenige an Spiritualität in mir regt. Ich war nie der große Kirchgänger und mich als praktizierenden Christen zu bezeichnen, ginge wohl ein bisschen weit. Und doch weiß ich – wie viele andere vermutlich auch – dass es da mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir uns mit unserer heiß geliebten Empirik zu erklären wissen. Ich mach da keinen Bohei drum, weil’s privat ist. Außerdem leben wir in einer medial despiritualisierten Welt, in welcher der Glaube, gleich welcher Art entweder nur zur romantisierten filmischen Darstellung taugt, oder aber schlicht negiert wird, weil an das Göttliche zu glauben so ganz und gar nicht zu unserem Glauben an die Notwendigkeit ewiger Jugendlichkeit, Virilität und Leistungsfähigkeit passen mag.

Der faktische Umstand, dass das Leben ein Kreislauf ist (aus dem Staub geboren, zu Staub geworden), geht vielen Menschen am Arsch vorbei, bis eben diese Tatsache sie selbst am Arsch packt und sie dann erstaunt feststellen müssen, dass wirklich alles endlich ist – wie eben Jugendlichkeit, Virilität, Leistungsfähigkeit, Nützlichkeit, Wichtigkeit, etc.; kurz das Leben. Sich dessen vor dem Terminalpunkt bewusst zu werden, führt mittelfristig zwangsweise dazu, dass man auch bestimmte andere Dinge bewusster wahrnimmt. Das macht das Leben zwar nicht immer leichter – zum Beispiel, wenn einem die lieben Kleinen auf der Nase Tango tanzen – aber in jedem Fall reichhaltiger. Und man kommt irgendwann (ich wahrscheinlich nie ganz, aber ich bin ja auch kein ommender Mönch, sondern einfach nur Zimbo, der durchaus gelegentlich seinen Affekten ausgeliefert ist) zu dem Punkt, dass man weiß, wie man aus den Zitronen des Lebens wenigstens halbwegs schmackhafte Limonade macht…

Wir müssen dann mal zurück. Der Toskana einmal mehr Lebewohl sagen und back to good old Mannheim touren. Das kann einen auch sauer wie eine Zitrone machen. Andererseits ist der Zeitpunkt da, die Kohle ist alle, meine Gattin muss Montag schon wieder ran und ich muss nächste Woche nämliche lieben Kleinen beim Tangotanzen auf meiner Nase hüten. Wahrlich, sage ich euch, das sind Zitronen! Aber meine Zitruspresse, das Sodawasser und der Zucker stehen schon bereit! Ich habe so meine Pläne, wie ich meine Kinder zufriedenstellen kann, weiterhin noch ein wenig Zeit für mich selbst abgeknappst kriege und so die sonnigen Tage in meinem Herzen wenigstens so lange konservieren kann, bis ich das erste Mal wieder arbeiten gehen muss. Jeder kennt das – der Erholsamkeitseffekt des Urlaubs verdampft an der Arbeitsstelle mit der gleichen Geschwindigkeit, wie Zitronenlimo in der Sahara: verdammt schnell und beinahe Rückstandsfrei. Da dürfte ich schon den Rückkehrer-Blues kriegen, nicht wahr? Aber wisst ihr was: drauf geschissen! Es gilt, wie stets: Et kütt, wie et kütt, on es han noch immer jotjejange! Wir sehen uns…

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

A snipet of travel

[Achtung – absolut subjektive, persönliche Meinung!]

Die Straße ist dunkel und mit wenig anderen Verkehrsteilnehmern bevölkert. Kilometer um Kilometer frisst sich der Diesel durch die Strecke, während der Fahrer in stiller Dankbarkeit für die Stille im Fahrzeug, die lange genug auf sich hatte warten lassen, mit seinen Gedanken um die Wette fährt. Nach einer Weile stellt sich dank der Monotonie der Autobahn eine gewisse Mattigkeit ein. Doch Routine im Bewältigen von Langstrecken und die Sorge, einmal mehr in einem Riesenstau zu landen, treiben den Fahrer zum Weitermachen.

Wer quasi durch Zufall immer und immer wieder die höchsten italienischen Feiertage zum Reisen erwischt, tut gut daran, den größten Teil der Strecke geschafft zu haben, wenn sich die Uhr der Mittagsstunde nähert. Meide Mailand zu Mittag! Wenn man bis zum späten Vormittag das Emilia Romagna zur Hälfte durchpflügt hat, dürfen die Pausen häufiger werden (immerhin reisen Kinder mit), denn der Fahrer braucht nun auch immer wieder Auszeiten, um runter zu kommen.

Auf der Autobahn fahren ist überall anstrengend, wenn mehr als 3 Fahrer pro Kilometer unterwegs sind; aber auch, wenn es in Deutschland jede Menge bornierter Idioten gibt, fasziniert es immer wieder, wie wenig der durchschnittliche italienische Automobilist von Verkehrsregeln hält. Benutzung der Fahrtrichtungsanzeiger? Fehlanzeige – und zwar im wahrsten Wortsinn! Die Spur halten? Unnötig! Abstände halten? Für Spießer! Gleichmäßig das Tempo halten? Wie geht denn das? Die zischen zwischen den Spuren hin und her, wie’s ihnen gerade passt, die Geschwindigkeiten mäandern in unvorhersehbarer Weise zwischen 50 und 150 (erlaubt sind 130) und sie kleben einem an der Stoßstange, nur um dann entweder mit 2 Km/h mehr zu überholen, oder nach eigenem Spurwechsel weiter an der Stoßstange zu kleben, wenn man für sie die Spur freigemacht hat. Ich verstehe die nicht, zumindest beim Autofahren nicht.

Und ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass sie wesentlich mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, cool auszusehen, als tatsächlich Auto zu fahren – eine besonders gefährliche Variante von style over substance, die noch dazu bei beiden Geschlechtern in beinahe gleichem Maße vorkommt. In der Tat ist es, bezogen auf alles bisher Gesagte vollkommen egal, ob Männlein oder Weiblein am Steuer sitzt. Es ist meine ganz private Meinung, aber Inlands-Italiener können NICHT Autofahren. Wer eine andere Meinung hat, darf sie sehr gerne für sich behalten! Bleibt einzig zu sagen: die Rückfahrt durch den italienischen Teil der Strecke findet, Gott sei Dank, nachts statt. Da ist so gut wie keiner von denen auf der Autobahn unterwegs, weil es Geld kostet…

Veröffentlicht unter Schnipsel | Hinterlasse einen Kommentar

Prosecco-Prokrastination

Es ist schon ziemlich fies, damit wieder aufhören zu müssen, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, jeden Abend bei angenehmen Temperaturen in einem mediterranen Garten vor einem alten Natursteinhaus zu sitzen und gemütlich ein Fläschchen Prosecco oder Rotwein wegzuziehen. Und noch bevor sich jetzt jemand berufen fühlt, zu einer Tirade bezüglich riskanten Konsums anzusetzen – niemand hatte gesagt, dass dieser Urlaub leicht sein würde… Ich weiß, was Alkoholismus bedeutet, danke der Nachfrage, ich habe einen nahen Verwandten, der, Gott sei’s gedankt, gegenwärtig seit ein paar Jahren trocken ist. Mein Bedarf an Derartigem ist gedeckt. Aber im Urlaub – insbesondere nach der abendlichen Bett-Verschiffung zweier sehr fordernder kleiner Kinder – ein wenig dem guten alten Bacchus zu huldigen, ist meines Erachtens ein lässliches Vergehen.

Es fiel mir, wie die Tage bereits angedeutet, recht leicht, in den Müßiggang-Modus zu schalten. Das bisherige Pensum dieses Jahr lässt das allerdings auch als wenig verwunderlich erscheinen. Ich ahne allerdings bereite, dass das Zurückschalten in den Normalmodus dieses Mal erheblich mehr Kraft brauchen wird, als sonst. Zu wissen, dass es KEINE Heinzelmännchen gibt, welche die Arbeit auf meinem Schreibtisch weggeaast haben, macht mich schon ein bisschen traurig. Ich hatte, wenn ich mich recht entsinne schon mal Auslassungen über Müßiggang und seine Berechtigung, wie auch seine Notwendigkeit zum Besten gegeben; hätte ich doch damals nur geahnt, dass das Maß der Notwendigkeit mit jedem vergehenden Jahr zunimmt. Zumindest fühlt es sich gerade so an.

Wenn man’s recht bedenkt, tragen durchaus viele Tarifverträge dem Umstand Rechnung, indem sie älteren Mitarbeitern mehr Urlaubstage zugestehen. Nun ist man allerdings mit 42 von dem Etikett „älterer Mitarbeiter“ noch weit entfernt. Und was manche Anteile meiner Arbeitsaufgaben angeht stehe ich ja auch mehr als im vollen Saft. Nur eine Sache, die zermürbt mich. Es gibt einen Arbeitsort, der ist gekennzeichnet durch mangelhafte Prozess-Organisation, fehlendes (medizinisches) Qualitätsmanagement, unausgegorene Aus- und Fortbildungskonzepte und nachgerade lausige Führungs-Personen. Ich werde hier nicht weiter im Detail elaborieren, aber wenn sich die Möglichkeit bietet, werde ich diesen Teil meiner Arbeit abgeben, ohne ihm eine Träne nachzuweinen. Jedoch die Aussicht, genau dort nach meinem Urlaub wieder tätig werden zu müssen, bereitet mir bereits jetzt Magenschmerzen; und ich bin weiß Gott nicht der Typ, der sich wegen Unlust krankmeldet. Anstatt Schwenzelenzia ist da eher „Augen-zu-und-durch!“ mein Stil.

Nun ist es so, dass es mich derzeit doch schon in den Fingern juckt, etwas Energie darein zu verwenden, die Umstände dort zu verbessern, da ich ja nicht weiß, wie mein eigentlicher Arbeitgeber in dieser Hinsicht zu verfahren bereit ist, was bedeutet, dass mein dortiger Einsatz eventuell noch eine Weile laufen könnte. Einzig, ich bin durch meine Zugehörigkeit zu einem bestimmten (kleinen) Anteil einer komplexen Institution in schlechter Position und manche meiner Einwürfe werden schlicht nicht gehört, oder man denkt halt, es besser zu können. Speziell im Bereich Ausbildung kann ich darüber nur lachen, denn davon verstehe ich – sorry, wenn das jetzt arrogant klingen mag – mittlerweile einfach deutlich mehr als irgendwelche, für fragwürdige Verdienste hochgelobten Rettungsassistenten oder freiwillige Feuerwehrleute; so sehr ich deren sonstige, individuelle Arbeit auch schätzen mag.

Ist schon blöd, wenn man solche Gedanken hegt, während man vor dem nämlichen Natursteinhaus sitzt und Prosecco schlürft. Es ist einfach nicht das Gleiche, als wenn man einfach nur ein heiteres Gespräch über vollkommen andere, vollkommen unernste Themen mit seiner Liebsten führt. Darum habe ich das alles hier aufgeschrieben, bin jetzt gerade dabei, mit diesen nervenden Gedanken abzuschließen, denn was man gar nicht, oder nur sehr langsam ändern kann, damit soll man nicht hadern, sonst braucht man mehr Prosecco zum Prokrastinieren…

Ich wünsche jedenfalls allen, die genauso wie ich in einem Job-Dilemma stecken, einen langen Atem und die gut ausgeprägte Fähigkeit, dennoch abschalten zu können, auf das wir gemeinsam Prosecco-Prokrastinieren können; natürlich darf ein jeder anstatt Prosecco gerne ein Hilfsmittel seiner Wahl einfügen. Arrividerci.

Veröffentlicht unter Cerebralfundstücke | Hinterlasse einen Kommentar

Spielerische Annäherung – Rollenspiel für Dummies #8

Ich habe neulich, wie ich so ein wenig in den weiten Untiefen des Netzes der Netze umherdümpelte (wer mich kennt, weiß, dass ich so oder so NICHT nach Surfer aussehe) natürlich auch mal wieder geschaut, ob es zu meinem Lieblingshobby etwas Neues zu wissen gibt. Hierzu als Aufklärung: ich bin schon seit weit über 25 Jahren Fantasy-Rollenspieler. Und neben solchen Dingen wie Spielsystemen, mit den dazu gehörenden Regel-, Quellen- und Fantasy-Art-Büchern, jeder Menge, für sich allein betrachtet, unnützen Allgemeinwissens und Diskussionen über alle möglichen soziologischen und technischen Aspekte des Spiels interessieren mich natürlich vor allem Ansichten, Ideen und Erfahrungen anderer Süchtiger… ähm, Pardon, Spieler meinte ich selbstverständlich. Und die findet man heutzutage, wie alles Mögliche andere auch, im Internet.

Rollenspiel ist insofern dem wahren Leben ziemlich ähnlich, als man hier ein um einen Faktor k (k kleiner eins) gestauchtes Modell desselben findet. Natürlich sind die Charaktere keine Normalos und sie tun im Kontext des Spiels auch keine normalen Dinge (es sei denn wüste Verfolgungsjagden, die NSA hacken, einen Drachen erschlagen oder sich durch feindliche Heerlager schleichen gehören zu eurem Alltag); ebenso wenig sehen sie zumeist wie Normalos aus und gehen manchmal auch keine normalen (virtuellen) Beziehungen ein. Oder besser gesagt: die zwei letzteren Dinge hängen vom Gusto der Spielerunde und ihrer Teilnehmer ab. Und wie man mit einem Blick in Foren, Blogs, etc. so feststellen kann, ist genau dieser Part gar nicht so unkritisch… fast wie im wahren Leben, nicht?

Es gibt da die unterschiedlichsten Ansichten, von denen ich einige durchaus „interessant“ finde; wobei dieses „interessant“ durchaus in Spock’scher Diktion verstanden werden darf. Da gibt es zum Beispiel jene, die sagen, Beziehungen im Rollenspiel interessieren sie nicht, für sie ist der „Loot der Woche“, also das Plündern irgendeines Schatzes weit wichtiger. Mich durchzuckte der Gedanke, dass jene, die sowas äußern entweder noch zu jung für Beziehungen sein mögen (sorry, aber Menschen unter 25, bzw. ohne eigene Kinder als „erwachsen“ ernst zu nehmen, fällt mir zunehmend schwerer), oder aber gebrannte Kinder sind, die nicht mehr an eine gelingende Beziehung glauben mögen. Schade für sie. Dann war da jene Gruppe, die grundsätzlich Beziehungen unter Charakteren OK findet, aber Männer müssen auf jeden Fall männliche Charaktere spielen und Frauen weibliche – was für ein Käse! Gerade das Spielen mit Rollen- und Geschlechterklischees macht doch den Reiz des Charakterspiels aus. Ach so, stop, vielleicht besteht die erste Gruppe auch aus Gamisten…? Die mögen natürlich kein Charakterspiel.

Ach ja und dann war da noch die Frage nach Homosexualität im Rollenspiel. Oh lieber Himmel, was da unter dem Deckmäntelchen „das passt ja nun nicht so in unseren Spielkontext“ an verkappter Homophobie unterwegs war, kotzt mich mal so richtig an. Ja, es ist nur ein Hobby, aber auch an diesem Ort des Spiels und Spaßes bin ich schon über Nazis, Rassisten und sonstige soziale Problemfälle gestolpert. Na ja, auch engstirnige Menschen haben manchmal Phantasie.

Ich klinge jetzt vermutlich ein bisschen gereizt, aber da liegt der werte Gast weit daneben. Amusement ist das Gefühl, welches mich mittlerweile befallen hat. Zum einen, weil ich die, den oben beschriebenen Meinungen zu Grunde liegende Selbstbeschränkung eigentlich lächerlich finde. Meine persönlichen Erfahrungen haben mich nämlich eine reiche Bandbreite an gespielten sozialen Beziehungen im Kontext einer guten Geschichte schätzen gelehrt. Zum anderen offenbart es jedoch in unverstellter Art und Weise, dass da Menschen am Spieltisch sitzen, die nicht so wirklich aus ihrer Haut können. Ein altes Diktum unter Rollenspielern sagt nämlich, dass in jedem Charakter ein Teil unserer ureigenen Persönlichkeit steckt. Und weil, wie ich vorhin schon sagte, das Rollenspiel ein quasi verkleinertes Abbild der wahren Welt ist, lässt dieser Gedankengang auch einen Blick auf meine eigenen Gedanken zu. Ich mag es, wenn mit Rollen- und Geschlechterklischees gespielt wird (ich selbst spiele gerne weibliche Charaktere, weil mich starke Frauen schon immer fasziniert haben und niemand wird ernsthaft erwarten, dass ein Rollenspielcharakter schwach ist – immerhin sollen es ja Helden sein). Ich finde, das Ausspielen von Beziehungen aller Art (nicht nur den romantischen, aber eben auch von denen) ist der wichtigste Teil von Rollenspiel überhaupt; und ich bin einem guten Loot dennoch nie abgeneigt.

Schließlich aber hoffe ich, mein Näschen für Beziehungskisten und meine Reaktionsfähigkeit hier spielerisch geschärft zu haben und dies auch weiterhin zu tun. Es ist für mich, da ich so viele Alternativen schon gesehen/gespielt habe, auch ein Training für meine sozialen Fertigkeiten; sozusagen eine spielerische Annäherung. Einerseits hoffe ich, mir so meine Offenheit für alles Neue konservieren zu können und andererseits sammle ich so auch die Contenance, mit den von mir hier geschmähten Meinungen und den Protagonisten, welche sie vortragen gelassen umgehen zu können. Auch im Spiel kann man was für’s Leben lernen, wenn man es nur zulassen mag. In diesem Sinne – always game on!

Veröffentlicht unter Rollenspiel | Hinterlasse einen Kommentar