Interpunktion = Interruption?

Ich wurde neulich auf einen Beitrag auf „Wired“ aufmerksam gemacht, der sich darum dreht, dass das Beenden von Textnachrichten mit einem Punkt unaufrichtig sei. Das kann man als selbsternannter Vielschreiber, der selbst stets dem Versuch fröhnt, korrekte Interpunktion zu benutzen natürlich nicht so stehen lassen. Nun ist „Wired“ zum einen ein Publikationsmedium, dass sich vor allem als Organ für Geeks und Nerds versteht und zum anderen ist bei weitem nicht Alles, was die selbsternannten Digital Natives dort von sich geben auch tatsächlich in der realen Welt ernst zu nehmen. Das liegt an der – durch einen teilweise fast blind wirkenden Technologieglauben verengten – auf die Wichtigkeit des Digitalen in unserem Leben ausgerichtete Sichtweise.

Allerdings beruft sich der Artikel auf eine einzelne psychologische Studie zweier kleinerer Fakultäten, die sich, dem Abstract nach auf Befragungen von Studenten stützt. Da ich ehrlich gesagt keine Lust habe, Elsevier für den Artikel einen Zwanni in den Rachen zu werfen, sei hier zum Thema Folgendes gesagt: ich muss mich hinsichtlich Anzahl und Herkunft der Befragten auf den Artikel in „Wired“ verlassen; aber mit n=126 und somit deutlich kleiner 500 und einer nicht korrekt randomisierten Grundgesamtheit, wovon man bei einer Befragung an zwei amerikanischen Uni-Campi getrost ausgehen darf, kann man die Signifikanz der getroffenen Aussagen ebenso getrost in die Tonne treten, egal was für einen Korellationskoeffizienten diese Dösbattel berechnet haben wollen!

Just my five cents…

Interpunktion durch Unterbrechung des Satzes beim Senden von Textnachrichten? Punkte am Ende von Nachrichten wirken gestelzt, weil der Punkt keine Information außer einem Hinweis auf Arroganz transportiert? Habt ihr von eurer eigenen Wichtigkeit berauschten Möchtegernjournalisten bei „Wired“ eigentlich den Knall gehört? Oder kauft ihr euch Romane, in denen es keine Satzzeichen gibt? Schreibt ihr vielleicht selbst ohne Satzzeichen?

Auch JEDE schriftlich niedergelegte Äußerung hat ebenso einen sozialen wie informativen Charakter. Das erste und zweite Axiom Watzlawicks verlieren ihre Gültigkeit auch beim geschriebenen Wort nicht! Weil jedoch verschiedene Subtextinformationen, wie etwa Sprachrhythmik, Tonfall, Gestus, Mimik, etc. beim Textvermittelten Kommunizieren fehlen, ist eine korrekte Strukturierung des Textes notwendig, um die Intentionen des Autors halbwegs verständlich zum Rezipienten zu befördern, auch wenn beim Empfänger Watzlawick ebenfalls gilt: denn der Empfänger macht die Nachricht. Diese Übermittlung funktioniert aber nur, wenn ich Syntax und Interpunktion sinnvoll einsetze, um die pragmatische Ebene meines Kommunikationsversuches zu verdeutlichen. Emoticons helfen hierbei oft nur sehr bedingt…

Also ihr Spacken bei „Wired“: Wenn tatsächlich irgendwelche amerikanischen Studenten ein einsames Satzzeichen als Hinweis auf die Arroganz des Absenders verstehen, ist das deren Problem, weil das Design der Studie keine Verallgemeinerungsfähigkeit beinhaltet. Man könnte es auch wissenschaftlich-handwerklich schlecht gemacht nennen; aber um sowas erkennen zu können, müsste man was von Sozialwissenschaften verstehen, nicht wahr? Wenn man aber eine, noch nicht durch den peer-review gelaufene, überdies schlecht designte Studie als Aufhänger benutzt, um nach einer weiteren Beschädigung unserer Sprache zu verlangen, ist das schlicht sinnentleert dumm!

So genannte Messenger als integraler Teil unserer modernen, sozialen Medien mögen den Nutzer zu einer verkürzten und zwangloseren Form des Kommunizierens anregen; das entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, auch dort wenigstens halbwegs die Regeln des Kommuizierens an sich zu achten. Wir lernen durch unsere Peers und wenn wir auch in ein paar Jahrzehnten noch halbwegs sinnvolle schriftliche Kommunikation erleben wollen, müssen wir auch selbsternannte Digital Natives daran erinnern, dass korrekte Interpunktion niemanden tötet, niemanden herabsetzt und gegenseitiges Verstehen erleichtert. Sprache als Ausdruck unseres Intellekts ist nämlich so ziemlich das Einzige, was uns vom Tier nachhaltig unterscheidet. Und da so viele junge Menschen so viel Zeit an ihren Smartphones, etc. zubringen, ist dort einer der Orte, an denen wir ihnen sinnvolles, zielgerichtetes, respektvolles Kommunizieren beibringen können und müssen. Und dazu gehört auch der korrekte Gebrauch der Grammatik; incl. Interpunktion!

Ich bin ein Digital Immigrant und ich glaube durchaus an die hilfreichen Seiten moderner Technologien; das ändert aber nichts daran, dass wir in Jahrtausenden mühsam erarbeitet Konventionen nicht nur deshalb unhinterfragt über Bord werfen sollten, weil es gerade hip ist. Vielleicht lernt auch ihr Superknaller bei „Wired“ diesbezüglich mal noch ein bisschen was dazu, das wäre echt wohltuend…

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A snipet of sincerity!

Zunächst einmal eine aufrichtige Entschuldigung an alle, bei denen ich mich nicht so regelmäßig melde, wie es einer sozialen Beziehung eigentlich angemessen wäre! Ich bin einfach vergesslich, von meiner eigenen Agenda gesteuert, von meinen alltäglichen Verrichtungen vereinnahmt und manchmal schlicht faul. Aus dieser Mischung entsteht eine milde Form von Sozialautismus (nicht zu verwechseln mit der echten Krankheit, die übrigens nicht durch’s Impfen entsteht, auch wenn es da draußen immer noch genug ignorante Idioten gibt, die irgendwelchen Scharlatanen hinterherrennen wollen). Und dieser Sozialautismus führt dazu, dass ich manchmal, wenn ich schlecht schlafe, nachts um halb Drei mit dem Gedanken wach liege, dass man doch mal mit dem, oder dem was Nettes unternehmen müsste; einfach weil… Das Schöne, wie auch Schlimme daran ist, dass solche Gedanken, genauso wie Träume zumeist eine Minute nach dem morgendlichen Erwachen zerfasern, um wieder im Limbus des Unbewussten zu verschwinden. Na ja, ich träume vermutlich gelegentlich tagsüber schon zu viel, um auch noch so was meine Aufmerksamkeit schenken zu können.

Sich zu unpassenden Gelegenheiten seiner gefühlten sozialen Verpflichtungen zu erinnern ist ja sowieso eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Zum einen, weil wir dazu neigen, auch aus einer eventuell eher losen Verbindung mit Jemandem eine Notwendigkeit zur Kontaktpflege ableiten, die der Andere vielleicht schon lange nicht mehr so deutlich wahrnimmt. Zum anderen, weil soziale Medien einen ungeheuren Druck aufbauen, für andere präsent sein zu müssen. Dazu fällt mir nur Großstadtgeflüster ein: „Ich muss gar nix, außer atmen, trinken, essen und ficken und ab und zu nachts um vier nen Burger verdrücken…“. Bloß, weil ich jemanden bei einer der unzähligen Gelegenheiten die unser Leben dazu feilbietet kennengelernt habe, heißt das nicht, dass diese Person an meinem Leben teilhaben darf – außer ich lade sie explizit dazu ein. Und, NEIN – eine Facebook-„Freundschaft“ bedeutet nicht, tatsächlich befreundet zu sein!

Überdies verändern sich unsere Beziehungen im Zeitlauf immer wieder. Nicht nur qualitativ (der Umgang mit meinem besten Freund aus Schultagen ist heute anders als vor 20 Jahren), auch unsere Beziehungspartner verändern sich. Oder hängt ihr alle noch mit euren Homies von der Grundschule ab? Und diese Komplexität unserer individuellen sozialen Netze, die überdies eine gewisse Tendenz aufweist, zur Lebensmitte hin immer unübersichtlicher zu werden führt zu zwei Mechanismen: sozialer Überforderung, die wiederum dazu zwingt, zwischendrin einfach mal abzuschalten und selektiverem Umgang mit den Kontakten; man meldet sich einfach bei denen, mit denen jetzt gerade was Gutes läuft und blendet die anderen aus. Jeder von uns hat nur eine begrenzte Menge Zeit zur Verfügung und möchte zumindest in seiner Freizeit einen möglichst großen „Nutzen“ erzielen. Also eine gute Zeit mit netten Menschen verbringen. Und die Definition von „Nett“ ändert sich ebenso wie die Menschen, die diese in unseren Augen erfüllen sollen.

Wenn ich mich also mal länger nicht melde, weiß ich vielleicht mit einer bestimmten Person jetzt gerade nichts anzufangen, bin anderweitig ausgelastet oder schlicht vergesslich. Seht mir dies bitte einfach nach, denn ihr seid kein Jota besser…

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Rückkehrer-Blues…

Ich habe gerade einen Regenbogen gesehen! Einen kompletten, von Boden zu Boden und in allen Farben… nun des Regenbogens eben. Klingt nicht gerade spektakulär, oder? Für mich jedoch war dieses eher seltene Naturschauspiel geradezu magisch. So magisch, dass ich im Nieselregen stehen blieb und ihm beim Verblassen zusah, während die Sonne hinter dem Waldrand am Versinken war. Für einen Moment war ziemlich klar, warum unsere Vorfahren der Natur einst etwas Mystisches zusprachen, denn, wenn man nie Physik in der Schule gehabt hat (und selbst bei Manchem, bei dem dies der der Fall war, und er’s trotzdem nicht kapiert hat), wirkt das Spiel der Spektralfarben am Himmel irgendwie magisch. Und wenn man sich ein klein wenig Mühe gibt, kann man das olle Prisma vergessen und es wirkt auch für uns Zivilisationsverseuchte Moderniker wieder irgendwie mystisch.

Ich fühle in solchen Momenten, wie sich das wenige an Spiritualität in mir regt. Ich war nie der große Kirchgänger und mich als praktizierenden Christen zu bezeichnen, ginge wohl ein bisschen weit. Und doch weiß ich – wie viele andere vermutlich auch – dass es da mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir uns mit unserer heiß geliebten Empirik zu erklären wissen. Ich mach da keinen Bohei drum, weil’s privat ist. Außerdem leben wir in einer medial despiritualisierten Welt, in welcher der Glaube, gleich welcher Art entweder nur zur romantisierten filmischen Darstellung taugt, oder aber schlicht negiert wird, weil an das Göttliche zu glauben so ganz und gar nicht zu unserem Glauben an die Notwendigkeit ewiger Jugendlichkeit, Virilität und Leistungsfähigkeit passen mag.

Der faktische Umstand, dass das Leben ein Kreislauf ist (aus dem Staub geboren, zu Staub geworden), geht vielen Menschen am Arsch vorbei, bis eben diese Tatsache sie selbst am Arsch packt und sie dann erstaunt feststellen müssen, dass wirklich alles endlich ist – wie eben Jugendlichkeit, Virilität, Leistungsfähigkeit, Nützlichkeit, Wichtigkeit, etc.; kurz das Leben. Sich dessen vor dem Terminalpunkt bewusst zu werden, führt mittelfristig zwangsweise dazu, dass man auch bestimmte andere Dinge bewusster wahrnimmt. Das macht das Leben zwar nicht immer leichter – zum Beispiel, wenn einem die lieben Kleinen auf der Nase Tango tanzen – aber in jedem Fall reichhaltiger. Und man kommt irgendwann (ich wahrscheinlich nie ganz, aber ich bin ja auch kein ommender Mönch, sondern einfach nur Zimbo, der durchaus gelegentlich seinen Affekten ausgeliefert ist) zu dem Punkt, dass man weiß, wie man aus den Zitronen des Lebens wenigstens halbwegs schmackhafte Limonade macht…

Wir müssen dann mal zurück. Der Toskana einmal mehr Lebewohl sagen und back to good old Mannheim touren. Das kann einen auch sauer wie eine Zitrone machen. Andererseits ist der Zeitpunkt da, die Kohle ist alle, meine Gattin muss Montag schon wieder ran und ich muss nächste Woche nämliche lieben Kleinen beim Tangotanzen auf meiner Nase hüten. Wahrlich, sage ich euch, das sind Zitronen! Aber meine Zitruspresse, das Sodawasser und der Zucker stehen schon bereit! Ich habe so meine Pläne, wie ich meine Kinder zufriedenstellen kann, weiterhin noch ein wenig Zeit für mich selbst abgeknappst kriege und so die sonnigen Tage in meinem Herzen wenigstens so lange konservieren kann, bis ich das erste Mal wieder arbeiten gehen muss. Jeder kennt das – der Erholsamkeitseffekt des Urlaubs verdampft an der Arbeitsstelle mit der gleichen Geschwindigkeit, wie Zitronenlimo in der Sahara: verdammt schnell und beinahe Rückstandsfrei. Da dürfte ich schon den Rückkehrer-Blues kriegen, nicht wahr? Aber wisst ihr was: drauf geschissen! Es gilt, wie stets: Et kütt, wie et kütt, on es han noch immer jotjejange! Wir sehen uns…

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A snipet of travel

[Achtung – absolut subjektive, persönliche Meinung!]

Die Straße ist dunkel und mit wenig anderen Verkehrsteilnehmern bevölkert. Kilometer um Kilometer frisst sich der Diesel durch die Strecke, während der Fahrer in stiller Dankbarkeit für die Stille im Fahrzeug, die lange genug auf sich hatte warten lassen, mit seinen Gedanken um die Wette fährt. Nach einer Weile stellt sich dank der Monotonie der Autobahn eine gewisse Mattigkeit ein. Doch Routine im Bewältigen von Langstrecken und die Sorge, einmal mehr in einem Riesenstau zu landen, treiben den Fahrer zum Weitermachen.

Wer quasi durch Zufall immer und immer wieder die höchsten italienischen Feiertage zum Reisen erwischt, tut gut daran, den größten Teil der Strecke geschafft zu haben, wenn sich die Uhr der Mittagsstunde nähert. Meide Mailand zu Mittag! Wenn man bis zum späten Vormittag das Emilia Romagna zur Hälfte durchpflügt hat, dürfen die Pausen häufiger werden (immerhin reisen Kinder mit), denn der Fahrer braucht nun auch immer wieder Auszeiten, um runter zu kommen.

Auf der Autobahn fahren ist überall anstrengend, wenn mehr als 3 Fahrer pro Kilometer unterwegs sind; aber auch, wenn es in Deutschland jede Menge bornierter Idioten gibt, fasziniert es immer wieder, wie wenig der durchschnittliche italienische Automobilist von Verkehrsregeln hält. Benutzung der Fahrtrichtungsanzeiger? Fehlanzeige – und zwar im wahrsten Wortsinn! Die Spur halten? Unnötig! Abstände halten? Für Spießer! Gleichmäßig das Tempo halten? Wie geht denn das? Die zischen zwischen den Spuren hin und her, wie’s ihnen gerade passt, die Geschwindigkeiten mäandern in unvorhersehbarer Weise zwischen 50 und 150 (erlaubt sind 130) und sie kleben einem an der Stoßstange, nur um dann entweder mit 2 Km/h mehr zu überholen, oder nach eigenem Spurwechsel weiter an der Stoßstange zu kleben, wenn man für sie die Spur freigemacht hat. Ich verstehe die nicht, zumindest beim Autofahren nicht.

Und ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass sie wesentlich mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, cool auszusehen, als tatsächlich Auto zu fahren – eine besonders gefährliche Variante von style over substance, die noch dazu bei beiden Geschlechtern in beinahe gleichem Maße vorkommt. In der Tat ist es, bezogen auf alles bisher Gesagte vollkommen egal, ob Männlein oder Weiblein am Steuer sitzt. Es ist meine ganz private Meinung, aber Inlands-Italiener können NICHT Autofahren. Wer eine andere Meinung hat, darf sie sehr gerne für sich behalten! Bleibt einzig zu sagen: die Rückfahrt durch den italienischen Teil der Strecke findet, Gott sei Dank, nachts statt. Da ist so gut wie keiner von denen auf der Autobahn unterwegs, weil es Geld kostet…

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Prosecco-Prokrastination

Es ist schon ziemlich fies, damit wieder aufhören zu müssen, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, jeden Abend bei angenehmen Temperaturen in einem mediterranen Garten vor einem alten Natursteinhaus zu sitzen und gemütlich ein Fläschchen Prosecco oder Rotwein wegzuziehen. Und noch bevor sich jetzt jemand berufen fühlt, zu einer Tirade bezüglich riskanten Konsums anzusetzen – niemand hatte gesagt, dass dieser Urlaub leicht sein würde… Ich weiß, was Alkoholismus bedeutet, danke der Nachfrage, ich habe einen nahen Verwandten, der, Gott sei’s gedankt, gegenwärtig seit ein paar Jahren trocken ist. Mein Bedarf an Derartigem ist gedeckt. Aber im Urlaub – insbesondere nach der abendlichen Bett-Verschiffung zweier sehr fordernder kleiner Kinder – ein wenig dem guten alten Bacchus zu huldigen, ist meines Erachtens ein lässliches Vergehen.

Es fiel mir, wie die Tage bereits angedeutet, recht leicht, in den Müßiggang-Modus zu schalten. Das bisherige Pensum dieses Jahr lässt das allerdings auch als wenig verwunderlich erscheinen. Ich ahne allerdings bereite, dass das Zurückschalten in den Normalmodus dieses Mal erheblich mehr Kraft brauchen wird, als sonst. Zu wissen, dass es KEINE Heinzelmännchen gibt, welche die Arbeit auf meinem Schreibtisch weggeaast haben, macht mich schon ein bisschen traurig. Ich hatte, wenn ich mich recht entsinne schon mal Auslassungen über Müßiggang und seine Berechtigung, wie auch seine Notwendigkeit zum Besten gegeben; hätte ich doch damals nur geahnt, dass das Maß der Notwendigkeit mit jedem vergehenden Jahr zunimmt. Zumindest fühlt es sich gerade so an.

Wenn man’s recht bedenkt, tragen durchaus viele Tarifverträge dem Umstand Rechnung, indem sie älteren Mitarbeitern mehr Urlaubstage zugestehen. Nun ist man allerdings mit 42 von dem Etikett „älterer Mitarbeiter“ noch weit entfernt. Und was manche Anteile meiner Arbeitsaufgaben angeht stehe ich ja auch mehr als im vollen Saft. Nur eine Sache, die zermürbt mich. Es gibt einen Arbeitsort, der ist gekennzeichnet durch mangelhafte Prozess-Organisation, fehlendes (medizinisches) Qualitätsmanagement, unausgegorene Aus- und Fortbildungskonzepte und nachgerade lausige Führungs-Personen. Ich werde hier nicht weiter im Detail elaborieren, aber wenn sich die Möglichkeit bietet, werde ich diesen Teil meiner Arbeit abgeben, ohne ihm eine Träne nachzuweinen. Jedoch die Aussicht, genau dort nach meinem Urlaub wieder tätig werden zu müssen, bereitet mir bereits jetzt Magenschmerzen; und ich bin weiß Gott nicht der Typ, der sich wegen Unlust krankmeldet. Anstatt Schwenzelenzia ist da eher „Augen-zu-und-durch!“ mein Stil.

Nun ist es so, dass es mich derzeit doch schon in den Fingern juckt, etwas Energie darein zu verwenden, die Umstände dort zu verbessern, da ich ja nicht weiß, wie mein eigentlicher Arbeitgeber in dieser Hinsicht zu verfahren bereit ist, was bedeutet, dass mein dortiger Einsatz eventuell noch eine Weile laufen könnte. Einzig, ich bin durch meine Zugehörigkeit zu einem bestimmten (kleinen) Anteil einer komplexen Institution in schlechter Position und manche meiner Einwürfe werden schlicht nicht gehört, oder man denkt halt, es besser zu können. Speziell im Bereich Ausbildung kann ich darüber nur lachen, denn davon verstehe ich – sorry, wenn das jetzt arrogant klingen mag – mittlerweile einfach deutlich mehr als irgendwelche, für fragwürdige Verdienste hochgelobten Rettungsassistenten oder freiwillige Feuerwehrleute; so sehr ich deren sonstige, individuelle Arbeit auch schätzen mag.

Ist schon blöd, wenn man solche Gedanken hegt, während man vor dem nämlichen Natursteinhaus sitzt und Prosecco schlürft. Es ist einfach nicht das Gleiche, als wenn man einfach nur ein heiteres Gespräch über vollkommen andere, vollkommen unernste Themen mit seiner Liebsten führt. Darum habe ich das alles hier aufgeschrieben, bin jetzt gerade dabei, mit diesen nervenden Gedanken abzuschließen, denn was man gar nicht, oder nur sehr langsam ändern kann, damit soll man nicht hadern, sonst braucht man mehr Prosecco zum Prokrastinieren…

Ich wünsche jedenfalls allen, die genauso wie ich in einem Job-Dilemma stecken, einen langen Atem und die gut ausgeprägte Fähigkeit, dennoch abschalten zu können, auf das wir gemeinsam Prosecco-Prokrastinieren können; natürlich darf ein jeder anstatt Prosecco gerne ein Hilfsmittel seiner Wahl einfügen. Arrividerci.

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Spielerische Annäherung – Rollenspiel für Dummies #8

Ich habe neulich, wie ich so ein wenig in den weiten Untiefen des Netzes der Netze umherdümpelte (wer mich kennt, weiß, dass ich so oder so NICHT nach Surfer aussehe) natürlich auch mal wieder geschaut, ob es zu meinem Lieblingshobby etwas Neues zu wissen gibt. Hierzu als Aufklärung: ich bin schon seit weit über 25 Jahren Fantasy-Rollenspieler. Und neben solchen Dingen wie Spielsystemen, mit den dazu gehörenden Regel-, Quellen- und Fantasy-Art-Büchern, jeder Menge, für sich allein betrachtet, unnützen Allgemeinwissens und Diskussionen über alle möglichen soziologischen und technischen Aspekte des Spiels interessieren mich natürlich vor allem Ansichten, Ideen und Erfahrungen anderer Süchtiger… ähm, Pardon, Spieler meinte ich selbstverständlich. Und die findet man heutzutage, wie alles Mögliche andere auch, im Internet.

Rollenspiel ist insofern dem wahren Leben ziemlich ähnlich, als man hier ein um einen Faktor k (k kleiner eins) gestauchtes Modell desselben findet. Natürlich sind die Charaktere keine Normalos und sie tun im Kontext des Spiels auch keine normalen Dinge (es sei denn wüste Verfolgungsjagden, die NSA hacken, einen Drachen erschlagen oder sich durch feindliche Heerlager schleichen gehören zu eurem Alltag); ebenso wenig sehen sie zumeist wie Normalos aus und gehen manchmal auch keine normalen (virtuellen) Beziehungen ein. Oder besser gesagt: die zwei letzteren Dinge hängen vom Gusto der Spielerunde und ihrer Teilnehmer ab. Und wie man mit einem Blick in Foren, Blogs, etc. so feststellen kann, ist genau dieser Part gar nicht so unkritisch… fast wie im wahren Leben, nicht?

Es gibt da die unterschiedlichsten Ansichten, von denen ich einige durchaus „interessant“ finde; wobei dieses „interessant“ durchaus in Spock’scher Diktion verstanden werden darf. Da gibt es zum Beispiel jene, die sagen, Beziehungen im Rollenspiel interessieren sie nicht, für sie ist der „Loot der Woche“, also das Plündern irgendeines Schatzes weit wichtiger. Mich durchzuckte der Gedanke, dass jene, die sowas äußern entweder noch zu jung für Beziehungen sein mögen (sorry, aber Menschen unter 25, bzw. ohne eigene Kinder als „erwachsen“ ernst zu nehmen, fällt mir zunehmend schwerer), oder aber gebrannte Kinder sind, die nicht mehr an eine gelingende Beziehung glauben mögen. Schade für sie. Dann war da jene Gruppe, die grundsätzlich Beziehungen unter Charakteren OK findet, aber Männer müssen auf jeden Fall männliche Charaktere spielen und Frauen weibliche – was für ein Käse! Gerade das Spielen mit Rollen- und Geschlechterklischees macht doch den Reiz des Charakterspiels aus. Ach so, stop, vielleicht besteht die erste Gruppe auch aus Gamisten…? Die mögen natürlich kein Charakterspiel.

Ach ja und dann war da noch die Frage nach Homosexualität im Rollenspiel. Oh lieber Himmel, was da unter dem Deckmäntelchen „das passt ja nun nicht so in unseren Spielkontext“ an verkappter Homophobie unterwegs war, kotzt mich mal so richtig an. Ja, es ist nur ein Hobby, aber auch an diesem Ort des Spiels und Spaßes bin ich schon über Nazis, Rassisten und sonstige soziale Problemfälle gestolpert. Na ja, auch engstirnige Menschen haben manchmal Phantasie.

Ich klinge jetzt vermutlich ein bisschen gereizt, aber da liegt der werte Gast weit daneben. Amusement ist das Gefühl, welches mich mittlerweile befallen hat. Zum einen, weil ich die, den oben beschriebenen Meinungen zu Grunde liegende Selbstbeschränkung eigentlich lächerlich finde. Meine persönlichen Erfahrungen haben mich nämlich eine reiche Bandbreite an gespielten sozialen Beziehungen im Kontext einer guten Geschichte schätzen gelehrt. Zum anderen offenbart es jedoch in unverstellter Art und Weise, dass da Menschen am Spieltisch sitzen, die nicht so wirklich aus ihrer Haut können. Ein altes Diktum unter Rollenspielern sagt nämlich, dass in jedem Charakter ein Teil unserer ureigenen Persönlichkeit steckt. Und weil, wie ich vorhin schon sagte, das Rollenspiel ein quasi verkleinertes Abbild der wahren Welt ist, lässt dieser Gedankengang auch einen Blick auf meine eigenen Gedanken zu. Ich mag es, wenn mit Rollen- und Geschlechterklischees gespielt wird (ich selbst spiele gerne weibliche Charaktere, weil mich starke Frauen schon immer fasziniert haben und niemand wird ernsthaft erwarten, dass ein Rollenspielcharakter schwach ist – immerhin sollen es ja Helden sein). Ich finde, das Ausspielen von Beziehungen aller Art (nicht nur den romantischen, aber eben auch von denen) ist der wichtigste Teil von Rollenspiel überhaupt; und ich bin einem guten Loot dennoch nie abgeneigt.

Schließlich aber hoffe ich, mein Näschen für Beziehungskisten und meine Reaktionsfähigkeit hier spielerisch geschärft zu haben und dies auch weiterhin zu tun. Es ist für mich, da ich so viele Alternativen schon gesehen/gespielt habe, auch ein Training für meine sozialen Fertigkeiten; sozusagen eine spielerische Annäherung. Einerseits hoffe ich, mir so meine Offenheit für alles Neue konservieren zu können und andererseits sammle ich so auch die Contenance, mit den von mir hier geschmähten Meinungen und den Protagonisten, welche sie vortragen gelassen umgehen zu können. Auch im Spiel kann man was für’s Leben lernen, wenn man es nur zulassen mag. In diesem Sinne – always game on!

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Über’s Wetter reden?

Ja, kann man mal machen. Ich selbst habe mich zwar schon des Öfteren über „das Wetter“ als ausgemacht seichtes Small-Talk-Thema ausgelassen. Allerdings muss ich zugeben, dass diese Betrachtungsweise dahingehend überholt ist, als Wetterphänomene, die allenthalben zum Nachteil gereichen immer häufiger werden. Man denke an die ungewöhnlich hohe Zahl extrem schwerer Gewitter in Süddeutschland im Juno dieses Jahres; die überdies mit einer, für deutsche Verhältnisse unverhältnismäßig hohen Zahl an Unwettertoten einhergingen. Überraschend waren vor allem die Intensität des Regens und die nun zu Tage getretene Unzulänglichkeit der örtlichen Infrastruktur, diese zu kanalisieren. Das hätte wohl tatsächlich keiner geglaubt.

Natürlich fangen dann wieder alle zu reden an. Sie reden aber nicht davon, dass die Klimaerwärmung uns nun mit einer Phase des Klimazonenwandels endgültig davon zu überzeugen sucht, dass sie real ist. Und dies Phase des Wandels äußerst sich gegenwärtig ganz offenkundig in immer extremeren Mikrowetterphänomenen. Oder hat irgendjemand schon mal so einen Juni erlebt? Ich nicht und ich habe auch keine Erinnerung an derart schnell heranrollende, mit solchen Temperatur-Amplituden einhergehende und derart schnell wechselnde Wetterperioden. Mag sein, dass meine subjektive Sicht alleine nicht aussagekräftig erscheint, aber tatsächlich haben Wissenschaftler ja immer wieder darauf hingewiesen, dass in der Klimaerwärmung Transitionsphasen mit Extremen in beide Richtungen (also Warm vs. Kalt und Trocken vs. Nass) immer wieder möglich sind und wir gerade erst am Beginn einer solchen Phase stehen. Aber kurzfristige wirtschaftliche Belange waren ja schon immer wichtiger und man kann auf Klimakonferenzen noch so viele schöne Worte absondern und noch so viele – von manchem Nachrichtengollum dann hinterher auch noch als „ambitioniert“ bezeichnete – Abkommen schließen; so lange die Wirtschaft diktiert wo’s langgeht, werden wir weiter in den Abgrund steuern.

Ich bin ein alter Soze, aber beim besten Willen kein Linksromantiker. Ich weiß, dass irgendwie essen auf die Tische der Menschen kommen muss und dass Wirtschaftsunternehmen dies quasi en passant durch ihre Wertschöpfung mit erledigen. Es ist aus meiner Sicht auch nichts daran auszusetzen, wenn man seine Arbeitskraft für den Erwerb des Lebensunterhaltes verhuren muss. Nur haben sich die Maßstäbe einmal mehr zu Ungunsten jener verschoben, die am unteren Ende dieses Prozesses stehen. Fast ein Jahrhundert des Kampfes für Arbeitnehmerrechte und gegen eine willkürliche Ausbeutung nicht nur der Menschen, sondern auch unserer natürlichen Ressourcen durch die Wirtschaft sind in den letzten 15 Jahren durch das Mantra der Organisation aller gesellschaftlichen Prozesse nach dem Bilde der Marktwirtschaft zunichtegemacht worden.

Was das mit dem Wetter zu tun hat? Nun, mit den Arbeitnehmerrechten rückten zunehmend auch Umwelt- und Verbraucherschutz in den Fokus der politischen Regulierungsabsicht. Vollkommen zu Recht, denn was ein entfesselter Kapitalismus mit seinen Kindern anstellt, kann man in der so genannten Volksrepublik China gerade sehr gut beobachten. Ausbeutung breiter Schichten insbesondere der ungebildeten Landbevölkerung geht mit massiver Umweltverschmutzung einher. Der Turbokapitalist tritt also nicht nur die Rechte seiner Angestellten (Sklaven wäre hier wohl die passendere Bezeichnung) mit Füßen, sondern auch das Wohl der Natur. Das erzeugt verseuchte Flüsse, ausgelaugte Erde und Treibhausgase, die zur Klimaerwärmung beitragen, auch wenn von den Konzernen bezahlte Wissenschaftler immer wieder statistische Nebelkerzen werfen. Die Klimaerwärmung erzeugt Wetterkapriolen und diese erzeugen schlechte Ernten, erschwerte, bzw. im schlimmsten Fall ausgelöschte Existenzen, erhebliche Infrastrukturschäden und alles in allem verschlechterte Lebensbedingungen. ABER NÖ, das hat ja alles nichts miteinander zu tun. Na ja, aber so lange die Arbeitsausfälle durch dauerschuftende freiwillige Feuerwehren, das THW und andere, sowie die Versicherungsfälle billiger sind, bzw. von anderen Teilen der Gesellschaft (also von uns!) getragen werden müssen, als tatsächlich wirtschaftlich umzudenken zu müssen, kann man ja immer so weitermachen. Pfui Teufel!

Ja, das Wetter ist schon lange kein Small-Talk-Thema mehr, zumindest nicht für mich. Ich unterhielt mich dieser Tage mit unserem Vermieter am Urlaubsort, der meinte, in der Region habe es seit zwei Monaten nicht mehr geregnet. Zwei Monate kein Regen? OK, das ist hier die Toskana, aber dennoch, dennoch… insbesondere, wenn man bedenkt, dass ich letztes Jahr, um dieselbe Zeit dieselbe Auskunft von einem anderen bekommen hatte, zusammen mit dem Hinweis, dass dies schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen sei! Jeder man sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Für mich klingt das allerdings nach einer sehr großen Menge schlechten Karmas.

Ich könnte mich jetzt einfach freuen, dass seit über einer Woche jeden Tag die Sonne aus allen Kopflöchern scheint und meine Familie sich jeden Tag am/im Pool vergnügen kann, was mit kleinen Kindern eine gewisse Entspannung bedeutet. Aber leider kann ich das Auge für’s große Ganze nicht abschalten und so dräuen in meinem Hinterkopf die Probleme; zumindest ein bisschen, denn jetzt muss ich erst mal in den Pool, es ist nämlich verdammt heiß hier…

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Mal ein paar Schnappschüsse aus diesen Tagen…

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Auf der Suche

Das sind wir natürlich alle, immerzu und überall, nach diesem nach jenem und nach dem ultimativen Kick überhaupt, falls es sowas ohne, oder auch mit dem Einsatz (il)legaler, Bewusstseinserweiternder Mittel überhaupt geben kann. Auf der Suche ist ein Zustand, der, so er einmal in den Fokus unseres bewusst erlebten Daseins getreten ist, niemals mehr aufhört; zumindest soweit es mich betrifft. Ich suche jeden Tag nach irgendwas und damit sind beileibe nicht die Auswirkungen dieser typisch männlichen Tüddeligkeiten gemeint, die einen dazu nötigen, noch mal nachschauen zu müssen, wo die Brille, der Schlüsselbund, das Handy, das Notebook oder weiß der Teufel sonst was wohl abgeblieben sein könnten. Ich bin eher auf der Suche nach Ideen, wie man dies oder das besser machen könnte, nach Lösungen für Probleme, oder auch mal einer Möglichkeit, einen Streit beizulegen. Und manchmal suche ich einfach nur nach einem guten Grund morgens aufzustehen, wenn mein Körper doch lieber noch bis gegen elf gammeln würde. Wie war das noch mit dem Erwachsenwerden? Anscheinend bin ich doch erst ein Teenager…

Nun was das Letztere betrifft, flüstert mir mein vorgenannter Körper morgens eher was Anderes ins Ohr, aber im frommen Selbstbetrug – also der bewussten Abschaltung der Selbstreflexion zu Gunsten von Prokrastination, Schlemmen, Saufen und anderen Dummheiten – sind wir ja alle ganz gut, oder? Wie auch immer, Suche ist für mich keine kurzfristige Beschäftigung, sondern mehr so ein lebenslanger, desorientierter Dauerlauf. Und anscheinend bin ich mit diesem Problem nicht allein. Anders ist das allenthalben beobachtbare Wuchern von Ratgebern aller Art (besonders Bücher über Selbstoptimierung sind im Moment voll hip; Moment, ich muss kurz mal Brechen gehen) ist ein gutes Indiz dafür.

Ebenso wie die Blüte, welche Beurteilungsportale für Waren und Dienstleistungen aller Art zurzeit erleben dürfen. Das Web 2.00 in seiner wunderbarsten Form. Wenn man sich mal so richtig schlapp lachen möchte, liest man z.B. auf Amazon die Beurteilungen zu einem Film durch, zu dem man sich bereits selbst eine Meinung gebildet hat. Das funktioniert, egal, ob man das jeweilige Werk nun mag, oder nicht. Denn bekanntermaßen soll man nicht über Geschmack streiten, was hier allerdings in epischer Bandbreite stattfindet. Die schreiben teilweise über irgendwelchen, absolut unwichtigen Bogus so viel, das kann man schon fast als exaltiert betrachten. Ich habe tatsächlich auch schon aussagekräftige Rezensionen über technische Gadgets, oder aber Fachbücher gelesen, aber bei so genannten Machwerken der Unterhaltungskunst (Bücher, Filme, CDs, etc.) zählt für mich mittlerweile nur noch der Unterhaltungswert.

Aber natürlich gibt es noch andere Web-Orte des gegenseitigen Meinungsaustausches (die Leute kommen zu der Seite hin, sondern ihre Meinung und fühlen sich dabei gut!), zum Beispiel bei dem Buchungsportal, welches ich seit einigen Jahren für die Auswahl von möglichen Reisezielen für den sommerlichen Familienurlaub bemühe. Nun sind die Beschreibungen dieses Anbieters, gemessen an den eher mäßigen Standards der Reiseveranstalterzunft recht präzise und ich verfüge mittlerweile auch über einen guten Erfahrungsschatz bezüglich der bevorzugt bereisten Region Italiens, so dass die Bildung einer eigenen Meinung über ein potentielles Ziel auch ohne Kommentare anderer Reisender zumeist recht zielsicher gelingt. Dennoch lese ich mir manchmal auch ebendiese Einlassungen Weitgereister durch; und finde mich Kopfschüttelnd wieder.
Wer die Toskana schon mal bereist hat und dabei nicht in irgendwelchen Sternehotels eingekehrt ist, sondern, so wie meine Mischpoke und ich, in typischen Selbstversorger-Appartements, der weiß, dass diese in aller Regel einfach, aber zweckmäßig eingerichtet sind. Manches wirkt auf den ersten Blick unfertig oder einfach nur alt, vieles ungewohnt, weil dies eben ein anderes Land ist und mit Sicherheit findet man hier so gut wie nirgends eine voll ausgestattete Einbauküche, wie sie daheim die Küche ziert. Steht aber, so man des Lesens mächtig ist, alles in der zuvor erwähnten Beschreibung. Sich dann über die Küchenausstattung zu beschweren, ist dann doch ein bisschen Schizo, oder?

Ich hätte mir manchmal auch das Eine oder Andere anders gewünscht, aber ICH hatte noch keinen Vermieter, der auf Anfrage kleine Probleme nicht charmant zu lösen gewusst hätte. Einer hat mir sogar mal ein härteres Bett beschafft – wer Italien kennt, kennt auch die hiesigen Bettgestelle und die sind manchmal tatsächlich mörderisch, zumindest für mein Kreuz!

Ich glaube, manche meiner Landsleute sollten ihre Anspruchshaltung mal ein bisschen dämpfen, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und vor allem akzeptieren, dass man andere Länder bereist um andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Wozu auch Akzeptanz für das typisch italienische Laissez-Faire im Umgang mit dem – typisch deutschen – Begriff „Akkurat“ gehört. Mir gefällt es hier, ich habe diesmal wirklich weniger als 12h gebraucht, um vollkommen entschleunigt zu werden. Und ich werde gewiss wieder nach Mittelitalien reisen – auf der Suche nach Ruhe, Gelassenheit, gutem Essen und rotem Wein. In diesem Sinne: Bienvenuto a godersi la vita!

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Alles auf Anfang

Eigentlich bin ich immer, wenn ein Projekt sich dem Ende zugeneigt hat und dann nur noch die umherliegenden Utensilien von der vergangenen Geschäftigkeit zeugen ein bisschen depressiv verstimmt. Also im Sinne von ausgelaugt vs. ziellos. Neue Ziele stellen sich natürlich in einem geschäftigen Leben mehr oder weniger von selbst ein, ohne dass man ihnen hinterherrennen müsste. Jeder mit einem halbwegs fordernden Job, der mit ein wenig Verantwortung einher geht, weiß genau, wovon ich spreche. Weshalb gerade für solche Leute ein gesundes Gefühl für Work-Life-Balance eigentlich eine gute Sache wäre. Wenn sie denn wüssten, was dieser doch eher diffuse Begriff eigentlich meint.

Arbeitgeber erzeugen da immer gerne die romantische Vorstellung von offenen Arbeitsflächen, in denen sich jeder seinen Platz sucht, der gerade zu ihm passt, um dann auf seine Weise die gerade anstehenden Aufgaben erfüllen zu dürfen. Solche Bilder, wie sie auch gerne in Hochglanzmagazinen gezeigt werden, sind schlicht Bullshit, weil sie bewusst mehrere harte Faktoren der echten Welt ausblenden: a) arbeiten insgesamt nur recht wenige Menschen überhaupt in komfortablen, loftartigen Großraumbüros, b) ist die Notwendigkeit, sich immer wieder einen neuen Platz suchen zu müssen, den man sich zudem nicht personalisieren kann Stress, weil der persönliche Bezug zum Arbeitsplatz so unterdrückt wird und c) gibt es sehr wohl einen definierten Workload, der erledigt werden muss, so dass die freie Zeiteinteilung lediglich eine Illusion ist. Das vordergründige Kuscheligkeitsgefühl, dass sowieso nur wenige Arbeitgeber zu erzeugen verstehen wird somit durch eine Entgrenzung des persönlichen Arbeitsplatzes und eine Entfremdung vom Wert der eigenen Arbeitsleistung erkauft. Unter dem Strich müssen die Menschen in diesen Büros genauso ihr Soll erfüllen, wie die Malocher am Band – welches im Übrigen heute auch nicht mehr annähernd so aussieht, wie zu den streng tayloristischen Tagen Henry Fords.

Ich persönlich fände es ehrlich, wenn man offen sagte: in einem Arbeitsverhältnis schuldet der Arbeitgeber ein, der jeweiligen Leistung angemessenes Salär und eine Arbeitsförderliche Umgebung und der Arbeitnehmer schuldet seine Arbeitsleistung und Loyalität – in dem Sinne, nicht wider besseres Wissen gegen die Interessen seines Arbeitgebers zu handeln. Würden beide Seiten sich an diese Regeln halten, könnte Arbeiten sogar Spaß machen, doch leider gibt es auf beiden Seiten immer wieder Stoffel, die grundlegende Regeln des Miteinanders nicht verstanden haben. Was mittelfristig für Arbeitgeber sogar dumm ist, denn jeder, der eine Statistik lesen kann, dürfte wissen, dass zufriedene Mitarbeiter – vulgo solche, denen ihr Job Spaß macht – motivierter sind und dadurch eine bessere Arbeitsleistung bringen. Mitarbeiter zu demotivieren, indem man sie knechtet, ihnen schlechtes Werkzeug gibt, nicht auf ihren Input hört, oder sie mies bezahlt, ist also insgesamt auch schlecht für’s fiskalische Ergebnis. Aber soweit denken die meisten Menschen nicht, weil Tellerränder ja so verdammt hoch sind…

Was nun aber das Arbeitsförderliche, motivierende Umfeld angeht, so kann es einem passieren, dass man sich selbst ausbeutet, unter Preis verkauft, zu heiß und zu schnell brennt und sich damit kaputt macht. Ein schlechtes Arbeitsumfeld ist in dem Sinne sogar sicherer, weil man merkt, dass es schlecht für einen ist; ein zu Gutes hingegen verschlingt einen vielleicht, bevor man überhaupt zu dieser Erkenntnis gelangen kann – was im Ergebnis allerdings genauso beschissen ausgehen kann.

Ich selbst bin da, wo ich im Moment stehe zufrieden – sogar fast sehr zufrieden. Natürlich bedeutet dies, dass ich gemäß meinen eigenen Ausführungen als gefährdet gelten darf. Ich weiß, ich weiß… meine diesbezüglichen Lektionen sind noch relativ gut im Gedächtnis und ich hatte nicht vor, mich nochmal in eine Erschöpfungsdepression zu manövrieren. Das letzte Mal war schlimm genug. Allerdings stehe ich an einem Scheideweg. Mein Studium neigt sich, wie’s aussieht einem halbwegs erfolgreichen Ende zu (ein Schein fehlt noch, dann ist Abschlussarbeit angesagt) und natürlich muss ich mich besinnen, was ich damit anzufangen gedenke. Sicher ist, dass ich vielleicht noch 7, 8 gute Jahre fahren kann, spätestens dann will ich in einer gefestigten Position sein und ich sehe mich dabei definitiv NICHT weiterhin am unteren Ende der betrieblichen Nahrungskette. Was bedeutet, dass ich meinen Marktwert testen muss!

Nach dem letzten abgeschlossenen Projekt, dessen Beendigung mich, zu meiner eigenen Überraschung, nicht depressiv verstimmt hat, stehen schon weitere in den Startlöchern und auch angesichts dessen bin ich ruhig, ja sogar entspannt, denn mittlerweile bin ich in vielerlei Hinsicht gefestigt und weiß was ich alles kann – und was nicht. Diese hart erarbeiteten Gewissheiten bedeuten für mich, dass in mehr als einer Hinsicht alles auf Anfang steht. Einerseits im Mikrogeschäft meiner day-to-day-work, aber auch im Makrogeschäft meines Arbeitslebens in seiner Gesamtheit. Ich bin eigentlich einfach nur gespannt, welche Gelegenheit als nächste daherkommt. Ich bin bereiter, als je zuvor!

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