A snipet of fan-atism!

[Eigentlich hatte ich den vorbereitet für den Fall, dass Deutschland ins Finale einzieht. Nun ist dies nicht der Fall – kommt drüber hinweg, erschafft euch endlich ein eigenes Leben und lasst uns mit was Sinnvollem weitermachen. Was ich zu sagen habe stimmt trotzdem!]

Würden die Fans des deutschen Tischtennis-Nationalteams im Falle eines KO-Rundensieges ihrer Jungs anfangen, so gegen Mitternacht ausdauernd rum zu böllern und auch sonstwie grauenhaften Krach zu machen, wäre mit Sicherheit ruck zuck eine Polizeistreife da, um das Treiben zu beenden. Würden angetrunkene Fans des örtlichen Handballclubs in einem Bundesbahn-Zug weibliche Fahrgäste belästigen, säßen diese ganz schnell in Gewahrsam. Und wenn sich Massen enthemmter Menschen an einem öffentlichen Ort zum gemeinsamen Saufen mit Ruhestörung träfen, ohne Fußballtrikots zu tagen, gäbe es ebenso Ärger mit der Ordnungsmacht. Wenn aber so genannte Fußballfans – insbesondere während internationaler Turniere – so etwas tun, dann ist das wohl OK. Zumindest tun sehr viele Menschen in semi-öffentlichen Diskussionen, zum Beispiel auf Fratzenbuch so, als wenn es so wäre. Eines mal vorweg: NEIN, DAS IST NICHT IN ORDNUNG!

Ich bin, um es noch mal jedem klar und deutlich mitzuteilen, der Letzte, der irgendjemandem sein Recht auf ein bisschen Eskapismus absprechen würde. Und das der Fußball das moderne Äquivalent des römischen Gladiatorenzirkus darstellt, ist mir auch klar. Anstatt „panem et circenses“ heißt es heutzutage halt „cervisia et circenses“, denn Brot ist zumeist nicht mit im Spiel. In der heimatlichen Hütte kann man ja schon ganz gut feiern und ich habe auch nichts gegen Public-Viewing-Arenen. Selbst ein Auto-Korso geht noch in Ordnung, wenn es nicht zu sehr ausufert. Aber…

Ja, aber dabei irgendwie maßvoll zu Werke zu gehen, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Die Freiheit des einen – vor allem anderen die zur Selbstentfaltung in der Öffentlichkeit – endet stets dort, wo die seiner Nächsten beginnt. Das ist ein alter Grundsatz, der in so gut wie allen Lebenslagen Gültigkeit besitzt; aus gutem Grund, denn würden wir einfach immer machen (dürfen), worauf wir jetzt gerade Lust haben, gäbe es kein Gemeinwesen mehr. Man nennt so einen Zustand Anarchie und ich glaube ehrlich gesagt, dass selbst die meisten Hardcore-Fußballfans ein solches Gesellschaftsmodell nicht gut fänden. Denn Angst haben zu müssen, morgens beim Bäcker mit einem Blattschuss weggeputzt zu werden, weil irgendjemand die Schlange vor dem Tresen zu lang ist, findet wohl kaum einer wirklich prall…

Tja, aber vollgesoffen anderen Menschen die Nachtruhe zu rauben, die öffentliche Sicherheit – und die Umwelt – durch dämliches im Kreis fahren zu gefährden und Nicht-Fans zu nötigen oder gar zu bedrohen ist vollkommen in Ordnung, wenn es nur um Fußball geht? Es müssen doch alle Feiern, es ist doch UNSERE Mannschaft? Das müssen die wenigen, die sich nicht für Fußball interessieren mal aushalten? Hey, ihr Spacken – GEHT’S NOCH?
Ich muss gar nix! Aber ihr habt euch an Gesetze und Normen zu halten, ihr habt die Bedürfnisse eurer Mitmenschen zu respektieren und zu akzeptieren, dass es andere Meinungen, Lebensentwürfe, Vorlieben, etc. gibt. Es gibt genug Leute hier, die ihr Fußball-Fest feiern und dabei nicht andere Menschen belästigen, bedrohen oder gefährden, nehmt euch an denen ein Beispiel und werdet wenigstens ein bisschen vernünftiger. Niemand verlangt, nicht zu feiern, aber vollkommener Kontrollverlust ist weder lustig, noch sexy, noch geil, noch irgendwie zu verstehen, sondern einfach nur egoistisch und dumm. Und ihr seid doch keine egoistischen Deppen, oder…?

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