Lokaler Mist ist schlimm genug…

Ist es nicht vollkommen widersinnig. Auf der einen Seite habe ich eigentlich keine Lust mehr, mich hier, auf meinem Blog über Politik auszulassen. Ich tue dies jetzt schon eine Weile durchaus intensiv auf Facebook. Auf der anderen Seite kann ich nicht davon lassen, denn es ist wohl Teil meiner Natur, nicht die Fresse halten zu können, wenn Idioten in völliger Ignoranz ihres eigenen Unwissens einen Bullshit-Mountain nach dem anderen produzieren und sich dann auch noch, mit beglücktem Lächeln Fähnchen schwenkend auf den himmelschreiend stinkenden Ergebnissen ihres Tuns aufbauen wie einst Napoleon nach gewonnener Schlacht: „Yeehaa Welt, hier bin ich! Seht her, mein Scheißhaufen ist nicht nur riesig, er ist auch großartig. Der Weltbeste Scheißhaufen, dass MÜSST ihr mir einfach glauben!“ Oh ja, Dumnald, du fabrizierst fast die beste Scheiße der Welt. Nimm noch Erdogan und Orban für „Bullshit Mountain 17ers of Mar-a-Lago“ unter Vertrag und die Weltmeisterschaft in Hassverbreitung und Kriegstreiberei kann euch keiner mehr nehmen.

Es wurde schon so viel gesagt, so viel geschrieben, so viel kommuniziert, aber die beste Aussage zum Thema war Angela Merkels Gesichtsausdruck, als Mr. President sagte, sie hätten ja schon einiges gemeinsam! Flugreise nach Schneesturm: 157.534 EUR. Unterbringung der ganzen verfickten Wirtschaftsdelegation: wahrscheinlich 7-stellig, aber wer fragt schon nach Sonnenschein, wenn man das ganze Geld Werkverträglern, Zeitarbeitern und sogar seinen Festangestellten abpressen kann… aber dieser Gesichtsausdruck: UNBEZAHLBAR. So ziemlich das einzige Mal in 11 Jahren, das man eine echte Emotion auf ihrem Gesicht gesehen hat und dieses Gesicht sagte: „WHAAAAAT? Bist du hässliches Kind jetzt vollkommen übergeschnappt?“ Großartig!

Soviel zum Zustand der Welt. Er ist nicht besser, aber Gott sei Dank auch kaum schlechter, als vor ein paar Wochen. Ich trage das schon eine Weile mit mir rum, aber ich glaube, es ist an der Zeit, sich auf kleinere Brötchen zu beschränken. Immerhin gibt es ja auch auf kommunaler Ebene durchaus einiges, was nicht nur erwähnenswert ist, sondern eigentlich nach Action schreit. Doch was kann ich zum Zustand der kleineren Welt schon beitragen?

Nun, ich schaffe es ab und an, jemanden dazu zu bringen, das echte Gespräch mit mir zu suchen. Zum Beispiel Hr. Dr. Weirauch (SPD) MdL für den Wahlkreis Mannheim-Süd. Im Norden hat ja – sehr zu meiner Unfreude – dieser Eumel von der AfD den Shit gerockt. So viele Alt-Sozen, die allesamt zu blöd sind, 1 und 1 zusammenzuzählen findet man aber leider nicht nur in meiner Heimatstadt. Wie dem auch sei, ich hatte eine Facebook-Debatte mit Hr. Weirauch über die Zukunft der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle im Rhein-Neckar-Kreis. Der Landtagsabgeordnete ist tatsächlich der Meinung, dass es eine kleine Lösung nur für Mannheim braucht und das die Berufsfeuerwehr Mannheim das Kind schon würde schaukeln können. Da lach ich mich tot: jahrzehntelanges Ausbildungsdefizit im Bereich Notfallrettung (die bei integrierten Leitstellen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr halt nun mal 85-90% der Arbeit ausmacht), die ausgedünnte Personaldecke, ein neuerliches Auseinanderreißen-Wollen mühsam zusammen geführter Strukturen und dann kommen auch noch solche ehrenamtlichen Heinis und behaupten, dass die BF ja ratzfatz auf soundsoviele Kräfte zugreifen könnte. Die will ich mal sehen, wenn ihre Mutti verreckt, weil irgendein ehrenamtlicher Spack am Telefon nicht zwischen Grippe und Infarkt unterscheiden kann…

Für professionelle Qualität braucht es hauptamtliche Vollprofis mit passender Ausbildung und Erfahrung. Und solche Leute wachsen nicht auf dem Baum. Oder was glauben die, warum alle Leistungserbringer momentan nicht mit vollem Personalpool fahren? Weil der verdammte Markt leergefegt ist und neues Personal auszubilden mehrere Jahre Zeit braucht. Es sei denn, man möchte eine Dienstleistung abrufen, die nicht den üblichen Standards entspricht. Dann darf man sich aber über mangelhafte Ergebnisse auch nicht aufregen.

Wenn man in Ba-Wü das Rettungswesen richtig auf die Füße stellen und Zukunftssicher gestalten möchte, dann muss man endlich dieses unsägliche Instrument der Selbstverwaltung beenden, dass regelmäßig dazu führt, dass Vertreter der Krankenkassen kaputtzusparen versuchen, was nur geht, aber jede Schuld für ein Systemversagen weit von sich weisen. Wahrscheinlich muss auch bei uns erst irgendein hohes Tier der Landespolitik mit einem Kreislaufstillstand am Rheinufer liegen, bevor irgendjemand schnallt, dass, wenn man Peanuts bezahlt in aller Regel Affen bekommt…

Man verstehe mich nicht falsch: meine Kollegen versuchen im Rahmen ihrer durch die Sparwut anderer begrenzten Möglichkeiten alles, um gute Ergebnisse zu erzielen. Aber die Besten verlassen uns regelmäßig, weil man mit dem, was im Moment gezahlt wird, Topleute nur schwer halten kann. Diejenigen Spitzenleute, die noch da sind, sind allesamt gestört: sie lieben ihren Job, obwohl so vieles daran Scheiße ist! Sie geben gerne eine Top-Performance, weil allein das für sie ein Wert an sich ist. Und sie weinen alleine… damit niemand sieht, wie kaputt einen das alles macht. Danke ihr großartigen Krankenkassentypen und Tussen. Ihr wisst wirklich, wie man die Kuh melkt und dann auch noch dazu bringt sich selbst zu schlachten.

Ich glaube langsam, dass ich den Job schon zu lange mache. Noch bin ich aber nicht vollends verbraucht und das bedeutet für mich, dass es jetzt an der Zeit ist, für meine Überzeugungen nicht nur zu schreiben, sondern auch mit der Tat einzutreten. Mal sehen, wie sich das am besten bewerkstelligen lässt. Wir hören uns.

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