Ich werde gleich berechtigt…

Eigentlich hatte ich ja die Tage schon mal über Gleichberechtigung schreiben wollen, aber irgendwie kamen andere Texte aus meinen Fingern; für alle, die sich über diese Aussage wundern, sei erklärt, dass man beim kreativen Schreiben manchmal einfach seiner Intuition folgen muss. Die Finger auf der Tastatur erledigen den Rest. Man kann gewisse Themen einfach nicht über`s Knie brechen, oder sich zwingen, etwas dazu zu sagen. Manchmal hat man auch gerade nix zu sagen und dann sollte man eigentlich schweigen… schafft aber nicht jeder und nicht immer. Ich auch nicht.

Auf das mit der Gleichberechtigung kam ich irgendwie über Harald Martenstein. Man mag seine Kolumne mögen oder nicht, aber eines kann er wirklich gut: polarisieren. Insbesondere, wenn er eines seiner Lieblingshassthemen auf der Agenda hat: Gender Studies. Für alle, die nicht wissen, was das ist: es geht dabei um die Frage in wie weit das Attribut Geschlecht einfach nur ein soziales Konstrukt ist und in wie weit biologisch definiert. Klingt jetzt nicht so spannend, wenn man das allerdings mit der Frage nach der Jahrtausendelangen Unterdrückung der Frau verquickt, wird aus einem für den Ottonormalmenschen eher faden Akademiker-Süppchen ein demagogischer Feuertopf mit an 500.000 Scoville.

Auf der einen Seite stehen Feministinnen, die zumindest rhetorisch gar nicht unzimperlich nach Maßnahmen gegen die männliche Dominanz fordern: da wird von einer „Rape-Culture“ gesprochen, also einer Kultur sexueller Erniedrigung, Ausbeutung, Vergewaltigung, etc., gegen die vorgegangen werden muss. Ich habe hier nicht den Raum, feministische Diskurse der letzten 50 Jahre vorzustellen; nur so viel: von Deeskalation und Gesetzen bis hin zur Phantasie vom Genozid an Männern war alles dabei. Auch unter Frauenrechtlerinnen gibt es also radikale Wirrköpfe. Auf der anderen Seite stehen Männerrechtler: bei denen ist von einer vorsichtigen Warnung vor einer Geschlechts-Umkehrung der Diskriminierung, Erniedrigung, Ausbeutung bis hin zu Radikalen Möchtegern-Patriarchen, die alleine eine Diskussion über solche Themen schon als Angriff auf ihre Männlichkeit empfinden ebenso alles dabei. Und dann muss man nur in die Kommentarspalte unter den Martenstein`schen Ergüssen scrollen und bekommt ein wunderbares Bild davon, wie blöd Menschen werden können, wenn sie in dann mal ihrer persönlichen Filterblase gefangen sind. Dafür braucht man keine AfD, dafür reicht auch Geschlechterk(r)ampf.

Bevor es hier jetzt mit Geschrei losgeht: auch für Bildungswissenschaftler gehört ein Einblick in Gender Studies zum Portfolio; und zwar weil die Gleichberechtigung der Frau in vielerlei Hinsicht noch lange nicht erreicht ist und Bildung hier eine wichtige Rolle spielen kann – in die eine, wie die andere Richtung. Aber auf dieser Spielwiese tummeln sich zu viele dogmatische Demagogen, die normative Vorstellungen durchzusetzen versuchen, anstatt sich an Erkenntnisgewinn zu versuchen.

Ich persönlich glaube an Gleichberechtigung, nicht an Gleichmacherei. Nach meiner Erfahrung ist ein Teil unseres Geschlechts tatsächlich sozial konstruiert – und ein anderer Teil biologisch veranlagt. Manchmal sind Biologie und Kopf nicht auf einer Welle. Ich mag Label nicht besonders, aber dem Gesetzgeber sei Dank haben Transgender heute zumindest Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu leben. Was mich traurig macht, ist, dass wir über all das 2017 noch so intensiv diskutieren müssen. Ich würde mir wünschen, dass man die Menschen einfach als das nimmt was sie sind, dabei keine Unterschiede macht und versucht, Stereotypen (auch wenn sie ein notwendiges Übel zur Reduktion sozialer Komplexität sind) wenigstens auf den Prüfstand zu bringen. Es würde unsere Welt besser machen.

Wenn jemand wissen möchte, wie ich es im Alltag mit der Gleichberechtigung halte, ob ich meine Stereotypen im Zaum habe und wie ich mit Menschen so im Allgemeinen umgehe, ist er eingeladen, Menschen zu befragen, die mich kennen, mit mir arbeiten – oder noch schlimmer – leben müssen… Ich wünsche viel Erfolg. Bis die Tage.

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