Raus aus Facebook?!?!?

Die sozialen Netzwerke verlassen, wie Mely Kiyak vorschlägt? Warum sollte man das tun? Um den Konzernen als Konsument zu zeigen „Ha, so kannst du nicht mit mir umgehen Facebook. Ich will meine Vollkasko-Bürgerrechte auch im Netz haben!“ Yo, kann man machen, dann aber bitte schön mit einem „Ich gehe jetzt“-Statement an alle „Freunde“, am besten durchsetzt mit ordentlich Pathos. Nur um dann acht bis zwölf Wochen später mit Entzugserscheinungen und einem neuen Account wieder angekrochen zu kommen, weil man festgestellt hat, dass man ohne Facebook in seiner Filterblase abgekoppelt ist.

So ein Bullshit!

Demokratieentwicklung hat in der realen Welt eine ganze Weile in Anspruch genommen; präziser gesagt, ist sie noch lange nicht abgeschlossen. Aber um zumindest in einigen Gegenden der Welt den heutigen Status zu erreichen, waren zwei Kriege und 100 Jahre Zeit notwendig. Soziale Medien gibt es doch gleich noch wie lange… so ungefähr zehn Jahre? Na, da werden wir wohl noch etwas Geduld haben müssen. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Visionäre das Netz als einen Raum der freien Entfaltung gedacht haben, quasi als Demokratie in Reinkultur, ohne Grenzen, ohne Staaten und vor allem ohne Denkverbote.

Nun kommt ein eifriger Justizminister und meint, mal ein bisschen Gesetzgebung über`s Knie brechen zu müssen, weil das Netz sich, seiner Meinung nach, zu einem Pfuhl von Hatecrimes, Hetze und Hass entwickelt. Was für Augen der Herr Maas wohl gemacht hätte, angesichts einer typischen Mai-Demo im Berlin der 1920er? Da haben seine damaligen Parteigenossen die Polizei aber ganz schön heftig aufgemischt. Anstatt sich darüber aufzuregen, dass Menschen im Internet diffamiert und angefeindet werden, könnte man zum Beispiel mal etwas gegen die Ursachen tun: mehr und vor allem bessere Bildung. Eine sinnvollere Sozialpolitik (und damit meine ich explizit nicht die Transfergießkanne). Eine Justiz, die im richtigen Moment klare Kante zeigt. Medien, die dem Bürger klarmachen, dass er selbst für sich und sein Tun verantwortlich ist, auch dann, oder besser gerade, wenn er sich in der gefühlten Anonymität des Netzes bewegt.

Meiner Erfahrung nach werden die meisten Online-Hetzer ganz schnell still, wenn man sie direkt konfrontiert. Immer schön höflich aber bestimmt, sachlich aber klare Stellung beziehend. Und sollte ich es tatsächlich mal erleben müssen, dass irgend so ein Verblendeter auf die blöde Idee kommt, MICH im wahren Leben angreifen zu wollen… du hast ja gar keine Ahnung, was dich erwartet, Freund! Man darf sich nicht ängstigen lassen. Ja, es gibt Krawallmacher, die auch vor physischer Gewalt nicht zurückschrecken, wie die letzten Monate eindrucksvoll beweisen. Aber wenn man zusammensteht und diesen Wenigen etwas entgegensetzt, bleibt am Schluss nur eine große Masse Hunde, die bellen, aber nicht beißen. Und mit denen werde ich spielend fertig.

Demokratie ist, was man selbst daraus macht Frau Kiyak; etwas daraus machen kann ich aber nur, wenn ich mich explizit NICHT zurückziehe. Mal ganz davon abgesehen, dass die 1000 Trottel, die ihrem Aufruf gefolgt sein mögen a) zu mindestens 50% bald wieder zurück sind und b) in der Unternehmensstatistik nicht mal unter „insignifikant“ auftauchen. Da bleibe ich lieber und fechte meine Kämpfe aus, das hat mehr Gehalt. Also mal wieder eine Polemik, die sie in den Sand Gesetz haben, ohne das Problem zu Ende zu denken. Schönen Tag noch.

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