Ein Mann sagt, er sei Feministin…

… und das ist so absurder Blödsinn, dass ich ihm sagen muss, dass er ein Depp ist. Der früher halbwegs bekannte Moderator Nilz Bokelberg durfte auf Zeit Online einen Artikel veröffentlichen, in dem er sich darüber beklagt, dass seine Tochter (wohl kurz vor’m Abitur) so wenig Chancen im Leben hat, nur weil sie halt das falsche Geschlecht hat. Er reitet dann auf dem Gender Pay Gap herum und regt sich tierisch darüber auf, dass sie vor verschlossene Türen laufen wird, egal wie gut sie dereinst ausgebildet sein wird. Meine Fresse, wie kann man nur so arrogant und blind sein.

Ja, es gibt sie immer noch die ungleiche Bezahlung. und ja, es gibt für Frauen in vielen Betrieben gläserne Decken. Ich hatte die Tage darüber gesprochen, dass man dem durch eine bessere Durchsetzung von Tarifverträgen und eine sinnvollere Sozialpolitik besser entgegen treten kann, als durch Quotierung; aber es will ja keiner ran, an die Lobbyisten. Was mich jedoch richtig wütend macht, ist das jemand, der so gut vernetzt ist (vulgo über Vitamin B verfügt) und seinem Kind zudem noch jede Menge soziales Kapital mitgibt (lest euren Bourdieu noch mal, verdammt) dann auch noch öffentlich so tut, als stünde seine Tochter vor den gleichen Problemen, wie die Tochter einer Alleinerziehenden mit drei 450-Euro-Jobs, die froh sein kann,wenn das Nötigste zur Verfügung steht.

Keine Ahnung von Deutschland, aber die Fresse aufreißen bis zum Anschlag: „Ich bin Vater und ich bin Feministin.“ Ein Scheiß bist du! Es gibt so viele Dinge, die man tun kann, um sich für eine Verbesserung der – in der Tat immer noch beklagenswerten – Situation hinsichtlich der Gleichberechtigung einzusetzen. Rumzujammern, dass es der eigenen Tochter vielleicht so schlecht gehen wird ist jedoch kein probates Mittel.

Wie wäre es, wenn Herr Bokelberg seine Medienpräsenz ernsthaft dafür einsetzte, dass auch unterprivilegierte Mädchen und junge Frauen eine Chance bekommen; z.B. bei einem Medienunternehmen, oder Ähnlichem… Aber das verlangt dann wohl doch etwas mehr Arbeit, als mal schnell einen Artikel hinzurotzen, oder.

Ich frage mich auch, ob meine Töchter irgendwann auf solche Probleme stoßen werden. Meine gegenwärtige Strategie besteht darin, sie darauf vorzubereiten und ihnen so viel Rüstzeug mitzugeben, wie geht, ohne ihre Kindheit zu killen. Außerdem tue ich mein Teil wenn es um Aus- und Fortbildung geht (heißt, ich versuche Gleichberechtigung zu leben). Und alles weitere (was ich noch tun kann, findet sich. Allerdings hat meine Stimme auch keine solche Reichweite, wie von diesem Ex-VIVA-Heini. Schönen Tag noch.

Dieser Beitrag wurde unter Cerebralfundstücke veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.