Schön war’s – leider ist es schon wieder rum…

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Asoziale Medien…?!

Es heißt ja immer, wir wären soziale Wesen. Nun könnte man diese Behauptung, offen gestanden, nach einem kurzen Blick in die Kommentar-Spalten bei Facebook, oder nach dem „Genuss“ eines durchschnittlichen Nachrichten-Potpourris als Nonsens abtun. Das Maß an verbaler Gewalt macht es nicht eben leichter, an die Bildbarkeit, oder aber die Soziabilität des Menschen an sich zu glauben. Ich kann mir da aber mit einem kleinen – wissenschaftlich untermauerten – Trick helfen: Soziabilität, Extrovertiertheit und Offenheit für Neues sind drei von fünf Variablen, welche die Sozialpsychologie zur Persönlichkeits-Beurteilung heranzieht. Der Trick liegt darin, dass ICH weiß, dass diese Parameter bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind. Damit kann ich manchen Quatsch, den man auch genauso gut als Beleidigung des eigenen Menschseins auffassen könnte, einfach als das abtun, was es ist: ungefilterte, unreflektierte Gehirnkacke. Und schon geht’s mir besser, weil ich das nicht allzu ernst nehmen muss.

Unter dem Strich bleibt aber stehen, dass jedes menschliche Wesen die Nähe anderer menschlicher Wesen braucht, um nicht zu verkümmern oder gar zu sterben. Und dass ein Ball mit dem Namen Wilson hier nur ein sehr kümmerliches Substitut ist, hat uns Tom Hanks sehr schön vorgeführt. Ob diese andere Menschen nun Typen sind, die ich leiden kann, oder nicht, ist dabei vollkommen Wurst, denn auch negativer Input hat seinen Wert, schärft er doch unsere Wahrnehmung. Allerdings ist es mit dem Sozialen wie mit allem anderen auch; wie der alte Paracelsus schon wusste: „Jedes Ding ist ein Gift. Nur die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Bezogen auf Mehrsamkeit heißt dies, dass Solitude gelegentlich hilfreich sein kann. Ein Gleichgewicht herzustellen ist in unserer Zeit aber nicht immer so leicht. Zum einen sind wir stets eingebunden in Familie, Arbeit, Freundeskreis. Zum anderen lassen wir uns nur allzu gerne zu noch manchem mehr einbinden, als gut oder gar gesund wäre. Dass ich im Rahmen meiner Arbeit viel zu kommunizieren habe, liegt in der Natur der Sache (Gesundheitswesen, Ausbildung, etc.). Dem kann ich mich nicht entziehen, aber ich habe Wege gefunden, es zu kanalisieren. Im privaten Bereich stört es mich vermehrt, dass Menschen offensichtlich glauben, dass ein Smartphone bedeutet, dass man darauf immer und dauernd erreichbar sein muss. Einen Bullshit muss ich!

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, was für Inhalte mich tatsächlich interessieren und habe daher verschiedenes deinstalliert, was Zeit verbraucht, ohne einen Mehrwert für mein Leben zu erzeugen: Instagram, Facebook, Twitter, Signal; WhatsApp habe ich im Moment noch, weil verschiedene Kanäle dort Dinge organisieren, die ich auch für die Arbeit brauche. Doch in mittlerer Frist werde ich auch dort verschwinden, weil mir diese elende Dauer-Gebimme und -Gebrumme auf den Sack geht. Wenn’s was Wichtiges gibt, schreibt mir ne SMS, schickt eine Mail, oder noch besser, ruft mich an. Die meisten „Messenger-Gespräche“ dauern achtmal so lange, wie das Telefonat, dass es gebraucht hätte, die Sache zu klären. Und für so einen Mist ist mir mein Leben zu schade!

Ach und noch etwas: auch in der informellen Schriftkommunikation gelten die guten alten Regeln der Orthographie und Interpunktion unvermindert weiter. Wer also von mir tatsächlich ernst genommen werden möchte, tut gut daran, zu schreiben, wie es üblicherweise in der formellen Kommunikation vorausgesetzt wird. Klar soweit?

Ich lief die Tage ein Stück durch die Felder hinter dem Dorf, in dem ich zurzeit zum Urlaub mit meiner Familie logiere und nach einer Weile, wie ich da gelegentlich meine Kamera hochnahm, um der Landschaft den einen oder anderen Blickwinkel abzuringen, der vielleicht später zum Strahlen anregt, kam die nahe Ostsee in den Blick. Alleine dazustehen, auf diesem windzerzausten Acker, fasziniert von den Geräuschen der Natur, dem Geruch von Salz und dem Gefühl von Weite, ist mir einmal mehr klargeworden, dass abseits aller Ideen und Pläne, die ich noch zu verfolgen gedenke das wahre Leben genau jetzt stattfindet; und dass ich mir nicht von irgendjemandem im Namen der Arbeit oder irgendwelcher selbsterfundener sozialer Zwänge seine Scheiße aufzwingen lassen werde, damit diese mein Leben genau jetzt entwertet. Alles hat seine Zeit. Das gilt insbesondere für das Digitale.

Komische Worte aus den Tasten von jemandem, der doch offensichtlich ein Blog betreibt, oder? Sagen wir mal so: hier bestimme ICH, was, wieviel und zu welchem Zeitpunkt ich von mir preisgebe. Bei Facebook und Co. Jedoch nicht. Denkt mal drüber nach – oder lasst euch schön weiter sedieren…

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Ey, isch brauch des neue Phone UNBEDINGT…!

Wer kann sich mich in einem pinkfarbenen Anzug mit lila Einstecktuch und Krawatte vorstellen? Die Vorstellung ist schauderhaft, oder? Das relativiert sich jedoch in dem Moment, in dem ich in einem solchen Aufzug auf einem AfD-Parteitreffen rosa Rosen an die weiblichen Teilnehmer verteile. Wie würde die Security wohl reagieren, wie die Delegierten, oder Redner am Pult? Die Vorstellung gefällt mir so gut, dass ich gedanklich schon mal ein paar Euro für eine solche Aktion zur Seite gelegt habe.

Wie kommt er denn jetzt auf so was? Nun, ich habe dieser Tage ein Buch von Harald Welzer gelesen und muss gestehen, dass seine Ausführungen über eine politisch vollsedierte, hyperkonsumistisch befriedigte Gesellschaft auf dieser Seite des Erdenrunds bei mir einen Nerv getroffen haben. Dass unsere Welt nicht so beschaffen ist, wie sie dies sein sollte, ist mir schon lange bewusst, doch die Idee, mit der er seine durchaus schmerzliche Analyse unserer Zeit beschließt, nämlich jenen, welche die parlamentarische Demokratie endgültig zugunsten ungezügelter Ausbeutung zu Grabe tragen wollen mit (bisweilen anarchistischem, bisweilen sogar strafbarem) Spaß zu begegnen, finde ich im Kern ziemlich gut.

Ein Gedanke aber hat mich bis in den Schlaf verfolgt: Aktivismus gegen das bestehende System kann nur dann sein Ziel erreichen – nämlich erst einmal überhaupt ein Problembewusstsein zu schaffen – wenn er die Leute da abholt, wo sie sind; sie in ihrer Lebensrealität berührt. Was interessiert mich ein abschmelzender Gletscher, im Moment geht es mir doch gut? Warum soll ich mir kein IPhone kaufen, es wird ja nicht meine Frau bei Foxconn in China ausgebeutet und langsam in den Selbstmord getrieben. Warum soll ich überhaupt weniger Scheiß kaufen, der ganz anderswo von Menschen hergestellt wird, die ein teilweise genauso schlimmes Leben führen müssen, wie die Sklaven auf den Baumwollplantagen? Ich habe doch damit nichts zu tun, dass es denen schlecht geht! Doch natürlich haben wir das, jeder einzelne von uns! Aber so lange wir nicht spüren, was das tatsächlich bedeutet, was wir unserer Welt und damit automatisch auch den Generationen nach uns antun – also unseren eigenen Kindern! – werden wir nichts an unserem Tun oder Lassen ändern.

Was daraus folgt, bleibt ein wenig nebulös, weil natürlich auch Harald Welzer in seinem Buch nicht zu Straftaten, zu zivilem Ungehorsam, ganz unverhohlen zum Widerstand aufruft. Man könnte ihn dafür belangen, wenn jemand mit seinem Buch in der Hand einen Apple-Store niederbrennt und „Tod den Sklavenhaltern!“ brüllt. Ich glaube auch nicht, dass es diese Art von Subversivität war, die ihm so vorschwebte, als er sich für die ganz persönliche Abwendung vom Hyperkonsum aussprach, für ein Weniger, dass auf lange Sicht ein Mehr sein würde. Wenn denn nur mehr von uns mitmachten.

Ein gutes Buch wirft, bei aller Kontingenz seiner eigenen, inneren Logik zumeist mehr Fragen auf, als es zu beantworten vermag. An dem Punkt bin ich gerade und ich kann andere nur einladen, sich die gleichen Fragen zu stellen. Im Moment brüte ich noch. Ich hatte mal die Idee, eine Lernplattform einzurichten, was bislang an Zeitmangel gescheitert ist. Frei Ressourcen herzustellen und bereitzustellen, quasi als Antimodell zur ewigen Profitgenerierungsnotwendigkeit. Selber etwas tun, das wäre doch ein Anfang, nicht? Ja, auch ich genieße bestimmte Möglichkeiten, die mit Gadgets zu tun haben. Aber ganz nüchtern betrachtet, würde ein Kaffee, den ich im Sonnenschein auf einer Terrasse nahe der See trinke um kein Jota besser, wenn ich dabei ein Selfie von mir machte. Er würde wahrscheinlich noch besser, wenn neben meiner Frau und meinen Kindern noch Freunde dabei wären, mit denen man über dies oder das schwatzen kann – Leben halt.

Aber dieses ganze Selfiegeschieße, das lediglich noch mehr Personen mit narzistischen Störungen hervorbringt, dabei gleich das Internet mit Daten über mein Leben beschickt und so Konzernen und Regierungen noch mehr Wissen und damit eventuell Kontrolle über mich gibt – das macht mein Leben überhaupt nicht besser. Auch wenn irgendwelche Followergeilen Vollhonks in so genannten sozialen Medien uns gerne etwas Anderes suggerieren wollen. Doch denen geht es nur um eines: Geldverdienen auf Teufel komm raus. Da will ich nicht mitmachen. Mal sehen, ob ich einen weg finde, mein Smartphone verantwortungsbewusst zu nutzen. Ich seh‘ euch; am liebsten in echt.

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A snipet of Interview

Nachdem ich die Idee mangels Zeit, mangels Interesse, ja auch mangels Kraft für eine ganze Weile ad acta gelegt hatte, habe ich nun, nach einer Weile der Introspektion neue Lust darauf bekommen, Interviews zu führen. Leider hat es ja bis heute nur ein einziges auf mein Blog geschafft und das ist schon eine Weile her. Dennoch bedeutet aufgeschoben ja üblicherweise nicht aufgehoben. Darum erneuere ich hiermit meinen Aufruf an Leute, die Lust haben sich von mir zu allen Dingen des Lebens befragen zu lassen. Wie sich so etwas anhören kann, erfährt man hier!

Ich bin da ganz offen: ich möchte das einerseits machen, um meine Skills als Sozialwissenschaftler zu schärfen, aber auch, weil mir daran gelegen ist, die verschiedensten Menschen zu Wort kommen zu lassen. Das einzige Problem ist, dass ich bislang kein richtig gut funktionierendes und vor allem auch juristisch unbedenkliches Tool gefunden habe, mit dem sich Telefon-Interviews führen lassen, so dass ich hier darauf angewiesen bin, zu Besuch zu kommen, oder besucht zu werden.

Die Sache liegt mir deshalb am Herzen, weil ich der Meinung bin, dass man in den Medien zu oft so genannte Experteninterviews findet, also solche, wo ein ausgewiesener Spezialist zu irgendeinem Sachverhalt befragt wird. Ist ja auch ganz nett, wenn man in seiner Sendung jemanden hat, der den Leuten die Welt erklärt. So was will ich aber gerade nicht. Mich interessieren Menschen wie du und ich und wie sie ihre Welt sehen. Selbstverständlich ist dabei garantiert, dass man sich vorher darüber unterhält, ob es Fragen gibt, die der Interviewpartner vielleicht nicht öffentlich beantworten möchte; religiöses Bekenntnis und sexuelle Orientierung sind hier oft problematisch. Ebenso ausgeschlossen ist eine so genannte Zweitverwertung, also zum Beispiel eine Textanalyse für wissenschaftliche Zwecke. Es sei denn natürlich, der Interviewte stimmt dem ausdrücklich zu. Von Anfang an mitgedacht habe ich es allerdings nicht.

Ich möchte vielmehr versuchen, über die Zeit eine Art kondensiertes Panoptikum aufzubauen. Unter anderem, weil Menschen mir am Herzen liegen. Und weil soziologische Quer- oder Längsschnitts-Untersuchungen irgendein spezielles Forschungsziel haben, dem sie gerecht werden müssen. Ich möchte mich einfach nur mit Menschen unterhalten und sehen, was dabei herauskommt. Wer also Lust hat, darf sich gerne bei mir melden!

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Bürger-Rechte?

Es wurde in den letzten zwei Jahren viel investigiert, gefilmt, kolumniert, glossiert und sonst wie publiziert über den Aufstieg rechts-nationalen Gedankengutes in die Mitte der Gesellschaft. Was man dabei relativ häufig vermissen durfte, war eine Art roter Faden, ein Narrativ, welches tatsächlich benennt, worin die Probleme liegen, wenn jemand sich in diesem „das wird man doch wohl noch sagen“-Gestus hinstellt und sagt: „DIE müssen wieder weg!“? Dass DIE in diesem Fall die große Zahl an Immigranten meint, die sich seit September 2015 in unserem Lande eingefunden haben, ist wohl keiner weiteren Erklärung bedürftig.

Nun ist es tatsächlich so, dass deren Hiersein Fragen aufwirft: können wir alle in unsere Gesellschaft integrieren und falls ja, wie? Hat irgendjemand einen echten Plan dafür entwickelt, oder hat man einfach nur auf Ereignisse reagiert? Wieviel kostet das? Und kostet es die Menschen, die hier schon länger leben etwas? Sind bestimmte Strömungen des Islam noch eine Religion, oder nicht doch schon eine politische Ideologie; und dazu eine, die nach der Auslöschung unserer Art zu leben trachtet? Und schließlich: war es das jetzt, oder wird das immer so weitergehen?

Diese Fragen sind real, sie berühren jeden Menschen hier und sie wurden bislang von der Politik nicht mal im Ansatz beantwortet. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn radikalere Positionen ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Aber was ist das eigentlich, Öffentlichkeit? In der wissenschaftlichen Sprache ist es der Raum des freien Diskurses, in dem Mehrheiten für dieses oder jenes ausgehandelt werden. Es ist also der Bereich des Lebens, wo Menschen kommunizierend miteinander zusammenkommen, um Kompromisse darüber zu erzielen, wohin der Kurs einer Gesellschaft im Großen und Ganzen gehen soll. Dem Ideal nach, soll es dabei keine Denkverbote geben, was also auch radikale Positionen ausdrücklich einschließt.

Nun haben wir Deutschen Angst vor dem Kreislauf der Geschichte. Autoritäre Regimes und die Greul zu denen sie fähig sind, haben allerdings die bekannte Historie seit Christi Geburt meistens bestimmt. Demokratie als dominantes Prinzip des Zusammenlebens ist ein relativ neuer Spieler auf dem Feld. Und wir haben wohl Angst, dass er verlieren könnte. Die Reaktion auf das selbstbewusste Auftreten der „neuen Rechten“ fällt daher, wenig überraschend, sehr harsch aus; was es den ganzen Rassisten umso einfacher macht, sich selbst als Opfer eines, Amok laufenden, Staats- und Medienapparates zu stilisieren. So kann man seine Anhänger auch leichter davon überzeugen, dass die etablierten Kräfte allesamt Lügner seien, die nur Angst vor der Wahrheit haben. Tatsächlich die sind diese Neo-Rassisten auch nur alter Wein in neuen Schläuchen, ihre Methoden sind allerdings etwas ausgefeilter.

Das Ringen um Mehrheiten ist ein zutiefst demokratischer Prozess, an dem nun auch die Rechten in größerem Stil teilnehmen und so sehr es uns, auf Grund der geschichtlichen Erfahrung, auch gegen den Strich gehen mag, auf die eingehen zu müssen, anstatt sie die ganze Zeit zu beschimpfen, sie abzukanzeln und als „Pack“ abzuqualifizieren; wir müssen uns endlich mit den Fragen beschäftigen, die sie durch den wachsenden Zulauf nun öffentlich auf`s politische Parkett werfen konnten. Denn wenn wir auf diese, oben genannten Fragen nicht bald sachlich und humanistisch adäquate Antworten finden, anstatt uns in parteipolitisch motivierten Scharmützeln aufzureiben, wird wenig übrigbleiben, worauf sich der Anspruch, noch immer eine Demokratie zu sein, legitimer Weise begründen ließe.

Ich bin weit davon entfernt, mich auf die, mit scharfer Rhetorik vorgetragenen Forderungen der AfD einzulassen, zumal deren Parteiprogramm ein gelegentlich beinahe absurdes Sammelsurium aus ganz und gar gestrigen, rassistischen, wirtschaftsneoliberalen und dann wieder allzu bemüht moderat wirkenden Forderungen ist. Dennoch muss man sich auf der Sachebene mit deren Argumenten auseinandersetzen und Lösungen finden, welche auch die, momentan auf einem radikaleren Kurs befindlichen Teile unserer Gesellschaft wieder integrieren können. Denn man kann es sich nicht leisten, 15-20% unserer Bevölkerung abzuschreiben, nur weil sie mit der gegenwärtigen Politik nicht klarkommen. Dazu muss uns was Besseres einfallen.

Hierzu ist jedoch zuallererst eine verbale Abrüstung im Diskurs notwendig. Ich mag manche neo-nationalistische Position nicht gutheißen, weil zu verstehen glaube, warum ihre Umsetzung zu nichts als Leid führen würde. Meinem Gegenüber aber deswegen sein Menschsein abzusprechen, macht mich, zumindest im kommunikativen Bereich um keinen Deut besser, als die aggressivsten rechten Rhetoriker vom Schlage eines Björn Höcke. Es war schon immer besser miteinander, anstatt übereinander zu reden. Mal schauen, ob das auch alle kapieren. So oder so hören wir uns.

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Raus aus Facebook?!?!?

Die sozialen Netzwerke verlassen, wie Mely Kiyak vorschlägt? Warum sollte man das tun? Um den Konzernen als Konsument zu zeigen „Ha, so kannst du nicht mit mir umgehen Facebook. Ich will meine Vollkasko-Bürgerrechte auch im Netz haben!“ Yo, kann man machen, dann aber bitte schön mit einem „Ich gehe jetzt“-Statement an alle „Freunde“, am besten durchsetzt mit ordentlich Pathos. Nur um dann acht bis zwölf Wochen später mit Entzugserscheinungen und einem neuen Account wieder angekrochen zu kommen, weil man festgestellt hat, dass man ohne Facebook in seiner Filterblase abgekoppelt ist.

So ein Bullshit!

Demokratieentwicklung hat in der realen Welt eine ganze Weile in Anspruch genommen; präziser gesagt, ist sie noch lange nicht abgeschlossen. Aber um zumindest in einigen Gegenden der Welt den heutigen Status zu erreichen, waren zwei Kriege und 100 Jahre Zeit notwendig. Soziale Medien gibt es doch gleich noch wie lange… so ungefähr zehn Jahre? Na, da werden wir wohl noch etwas Geduld haben müssen. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Visionäre das Netz als einen Raum der freien Entfaltung gedacht haben, quasi als Demokratie in Reinkultur, ohne Grenzen, ohne Staaten und vor allem ohne Denkverbote.

Nun kommt ein eifriger Justizminister und meint, mal ein bisschen Gesetzgebung über`s Knie brechen zu müssen, weil das Netz sich, seiner Meinung nach, zu einem Pfuhl von Hatecrimes, Hetze und Hass entwickelt. Was für Augen der Herr Maas wohl gemacht hätte, angesichts einer typischen Mai-Demo im Berlin der 1920er? Da haben seine damaligen Parteigenossen die Polizei aber ganz schön heftig aufgemischt. Anstatt sich darüber aufzuregen, dass Menschen im Internet diffamiert und angefeindet werden, könnte man zum Beispiel mal etwas gegen die Ursachen tun: mehr und vor allem bessere Bildung. Eine sinnvollere Sozialpolitik (und damit meine ich explizit nicht die Transfergießkanne). Eine Justiz, die im richtigen Moment klare Kante zeigt. Medien, die dem Bürger klarmachen, dass er selbst für sich und sein Tun verantwortlich ist, auch dann, oder besser gerade, wenn er sich in der gefühlten Anonymität des Netzes bewegt.

Meiner Erfahrung nach werden die meisten Online-Hetzer ganz schnell still, wenn man sie direkt konfrontiert. Immer schön höflich aber bestimmt, sachlich aber klare Stellung beziehend. Und sollte ich es tatsächlich mal erleben müssen, dass irgend so ein Verblendeter auf die blöde Idee kommt, MICH im wahren Leben angreifen zu wollen… du hast ja gar keine Ahnung, was dich erwartet, Freund! Man darf sich nicht ängstigen lassen. Ja, es gibt Krawallmacher, die auch vor physischer Gewalt nicht zurückschrecken, wie die letzten Monate eindrucksvoll beweisen. Aber wenn man zusammensteht und diesen Wenigen etwas entgegensetzt, bleibt am Schluss nur eine große Masse Hunde, die bellen, aber nicht beißen. Und mit denen werde ich spielend fertig.

Demokratie ist, was man selbst daraus macht Frau Kiyak; etwas daraus machen kann ich aber nur, wenn ich mich explizit NICHT zurückziehe. Mal ganz davon abgesehen, dass die 1000 Trottel, die ihrem Aufruf gefolgt sein mögen a) zu mindestens 50% bald wieder zurück sind und b) in der Unternehmensstatistik nicht mal unter „insignifikant“ auftauchen. Da bleibe ich lieber und fechte meine Kämpfe aus, das hat mehr Gehalt. Also mal wieder eine Polemik, die sie in den Sand Gesetz haben, ohne das Problem zu Ende zu denken. Schönen Tag noch.

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Man müsste mal…

Es wird ja immer viel geredet. Über die unterschiedlichsten Themen. Und vor allem darüber, dass man ja hier oder dort etwas tun müsste. Nur bleibt es meist beim Gerede. Das ist so eine „Gute Vorsätze“-Geschichte. Diese Sachen, die man sich angeblich vornimmt, wenn ein altes Jahr stirbt und ein neues geboren wird. Alles Käse, denn tatsächlich haben gute Vorsätze ungefähr die Halbwertszeit von Speiseeis in der Sahara, mittags um Zwölf. So ist es auch mit dem Gerede in meinem Beruf. Ich habe das schon das eine oder andere Mal kolportiert, wie die lieben Kolleginnen und Kollegen am „Wasserloch“ – vulgo in der Fahrzeughalle einer ausreichend großen Klinik mit freiem Zugang zu Kaffee und/oder Wasser – rumstehen und schwadronieren. Meist erzählen sie „Warstories“, tauschen sich also, die großen Augen ihrer Auszubildenden genießend, über die grauslichsten oder spannendsten Einsätze der letzten Zeit oder auch mal ihres Dienstlebens aus (zumeist ist eben dieses noch nicht allzu lang). Ich persönlich bevorzuge ja eher die witzigsten Geschichten, aber bitte, auch ich habe schon die eine oder andere Splatter-Anekdote zum Besten gegeben.

Irgendwann kommt dann das Gerede aber darauf, wie schlecht es einem doch geht, wie Scheiße manche ihre Vorgesetzten finden (ich hatte im Lauf der Zeit auch ein paar, auf die ich dankend hätte verzichten können) und überhaupt, wie kaputt dieses System doch ist, in dem man sich da abrackern muss. Ja, da stimmen dann (fast) alle zu, man sagt sich gegenseitig, wie gut es doch wäre, wenn mal jemand was täte, alle nicken, schlürfen ihren Kaffee (oder was auch immer), bei irgendeiner der versammelten Besatzungen bimmelt der Melder und weiter geht`s im Hamsterrad. Und was passiert dann tatsächlich? Nix! Ich selbst habe es schon ein paar Mal auf unterschiedliche Weise versucht, diese Menschen dazu zu bringen, aktiv an der Gestaltung ihrer Arbeitsumwelt teilzunehmen, doch die Resonanz zu diesen Bemühungen passt, über Jahre hinweg akkumuliert, auf einen Bierdeckel. So viel zur Substanz dieses Gelabers am Wasserloch.

Der Schlüssel zum Erfolg von Aktionen, die Veränderung bewirken sollen hat zwei Seiten: zum einen muss es die Menschen tatsächlich betreffen. Da darf nicht nur ein vages, diffuses „könnte mich was angehen“ sein, sondern es muss drängen und immer wieder nach vorne kommen. Offensichtlich sind die Probleme des Rettungsfachpersonals so gelagert. Da kommt die zweite Komponente ins Spiel: man muss auch einen Weg sehen, etwas zu tun. Und dafür muss man sich manchmal ein wenig anstrengen und sich was ausdenken.

Hier kommt mein Vorschlag: ich möchte eine Petition beim Baden-Württembergischen Landtag einreichen, welche die Veränderung des §5 im Landesrettungsdienstgesetz zum Ziel hat; nämlich die Installation einer stimmberechtigten Rechtsaufsichtsperson in jedem Bereichsausschuss, die in den häufig strittigen Kostenverhandlungen eine Entscheidung herbeiführen kann. Ferner ist die, derzeit mögliche, 40%ige Anrechnung des Einsatzes ehrenamtlicher Kräfte auf die Benutzungsentgelte in §28, Abs. 2 zu entfernen. Und überdies muss für die Ausbildung von Rettungsfachpersonal (also Notfallsanitätern) ein eigener Paragraph oder Absatz geschaffen werden, in welchem die jeweils notwendige Refinanzierung für den Ausbildungsaufwand den Kostenträgern als gesetzliche Verpflichtung auferlegt wird.

Weil Petitionen aber mehr Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie eine gewisse Zahl Unterstützer mitbringen, möchte ich hiermit um eure Unterstützung bitten. Wenn es auch unwahrscheinlich ist, damit sofort Erfolg zu haben, rüttelt es vielleicht den einen oder anderen Verantwortlichen auf. Danke für eure Aufmerksamkeit!

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Ich werde gleich berechtigt…

Eigentlich hatte ich ja die Tage schon mal über Gleichberechtigung schreiben wollen, aber irgendwie kamen andere Texte aus meinen Fingern; für alle, die sich über diese Aussage wundern, sei erklärt, dass man beim kreativen Schreiben manchmal einfach seiner Intuition folgen muss. Die Finger auf der Tastatur erledigen den Rest. Man kann gewisse Themen einfach nicht über`s Knie brechen, oder sich zwingen, etwas dazu zu sagen. Manchmal hat man auch gerade nix zu sagen und dann sollte man eigentlich schweigen… schafft aber nicht jeder und nicht immer. Ich auch nicht.

Auf das mit der Gleichberechtigung kam ich irgendwie über Harald Martenstein. Man mag seine Kolumne mögen oder nicht, aber eines kann er wirklich gut: polarisieren. Insbesondere, wenn er eines seiner Lieblingshassthemen auf der Agenda hat: Gender Studies. Für alle, die nicht wissen, was das ist: es geht dabei um die Frage in wie weit das Attribut Geschlecht einfach nur ein soziales Konstrukt ist und in wie weit biologisch definiert. Klingt jetzt nicht so spannend, wenn man das allerdings mit der Frage nach der Jahrtausendelangen Unterdrückung der Frau verquickt, wird aus einem für den Ottonormalmenschen eher faden Akademiker-Süppchen ein demagogischer Feuertopf mit an 500.000 Scoville.

Auf der einen Seite stehen Feministinnen, die zumindest rhetorisch gar nicht unzimperlich nach Maßnahmen gegen die männliche Dominanz fordern: da wird von einer „Rape-Culture“ gesprochen, also einer Kultur sexueller Erniedrigung, Ausbeutung, Vergewaltigung, etc., gegen die vorgegangen werden muss. Ich habe hier nicht den Raum, feministische Diskurse der letzten 50 Jahre vorzustellen; nur so viel: von Deeskalation und Gesetzen bis hin zur Phantasie vom Genozid an Männern war alles dabei. Auch unter Frauenrechtlerinnen gibt es also radikale Wirrköpfe. Auf der anderen Seite stehen Männerrechtler: bei denen ist von einer vorsichtigen Warnung vor einer Geschlechts-Umkehrung der Diskriminierung, Erniedrigung, Ausbeutung bis hin zu Radikalen Möchtegern-Patriarchen, die alleine eine Diskussion über solche Themen schon als Angriff auf ihre Männlichkeit empfinden ebenso alles dabei. Und dann muss man nur in die Kommentarspalte unter den Martenstein`schen Ergüssen scrollen und bekommt ein wunderbares Bild davon, wie blöd Menschen werden können, wenn sie in dann mal ihrer persönlichen Filterblase gefangen sind. Dafür braucht man keine AfD, dafür reicht auch Geschlechterk(r)ampf.

Bevor es hier jetzt mit Geschrei losgeht: auch für Bildungswissenschaftler gehört ein Einblick in Gender Studies zum Portfolio; und zwar weil die Gleichberechtigung der Frau in vielerlei Hinsicht noch lange nicht erreicht ist und Bildung hier eine wichtige Rolle spielen kann – in die eine, wie die andere Richtung. Aber auf dieser Spielwiese tummeln sich zu viele dogmatische Demagogen, die normative Vorstellungen durchzusetzen versuchen, anstatt sich an Erkenntnisgewinn zu versuchen.

Ich persönlich glaube an Gleichberechtigung, nicht an Gleichmacherei. Nach meiner Erfahrung ist ein Teil unseres Geschlechts tatsächlich sozial konstruiert – und ein anderer Teil biologisch veranlagt. Manchmal sind Biologie und Kopf nicht auf einer Welle. Ich mag Label nicht besonders, aber dem Gesetzgeber sei Dank haben Transgender heute zumindest Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu leben. Was mich traurig macht, ist, dass wir über all das 2017 noch so intensiv diskutieren müssen. Ich würde mir wünschen, dass man die Menschen einfach als das nimmt was sie sind, dabei keine Unterschiede macht und versucht, Stereotypen (auch wenn sie ein notwendiges Übel zur Reduktion sozialer Komplexität sind) wenigstens auf den Prüfstand zu bringen. Es würde unsere Welt besser machen.

Wenn jemand wissen möchte, wie ich es im Alltag mit der Gleichberechtigung halte, ob ich meine Stereotypen im Zaum habe und wie ich mit Menschen so im Allgemeinen umgehe, ist er eingeladen, Menschen zu befragen, die mich kennen, mit mir arbeiten – oder noch schlimmer – leben müssen… Ich wünsche viel Erfolg. Bis die Tage.

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A snipet of holidays

Bloggen, so wie ich es betreibe, ist eine ziemlich persönliche Angelegenheit und es ist immer ein bisschen wie eine Gratwanderung. Einerseits möchte man natürlich auch ein persönliches Echo in den Rezipienten auslösen, andererseits begibt man sich stets in Gefahr ein bisschen zu viel von sich selbst Preis zu geben. Wir leben in einer Zeit, in der man sich mit kritischen Anmerkungen zum Tage nicht NUR Beifall verschafft…

Trotzdem ist es mir wichtig kund zu tun, wie es kommt, dass ich im Moment wieder so viel Output produziere: Zum einen hat sich die Situation meiner Mutter, die nun in einer betreuten Wohnanlage lebt stabilisiert und ich habe den Eindruck, dass sie wenigstens wieder etwas neuen Lebensmut geschöpft hat. ich kann nicht mal im Ansatz ermessen, wie das ist, jemanden zu verlieren, mit dem über 60 Jahre seines Lebens zugebracht hat. Meine FRau und ich sind gerade mal knapp 23 zusammen und ich wüsste nicht, wie das gehen sollte. Und bei Leibe nicht nur wegen unserer Kinder!

Neben dieser durchaus positiven Entwicklung genieße ich aber auch gerade mal die Gelegenheit, ein paar Tage wirklich Ruhe zu haben. Alle paar Jahre schickt mich meine Gattin auf Urlaub, wenn sie merkt, dass ich mal wieder am Rädchen drehe. Und darum weile ich derzeit im schönen Sonthofen im Oberallgäu. Ist nett da. Eine Landschaft, die zum Laufen und zum Fotografieren anregt. Jede Menge Ruhe zum Lesen und Schreiben. Und das Bier schmeckt mir auch. Ich empfehle – weil gerade eines neben mir steht und ich überdies bekennender Starkbier-Fanatiker bin – den „Doppelhirsch“ von der Sonthofener Privatbrauerei „Der Hischbräu“. Ein überaus süffiges, dunkles Bockbier mit 18,5% Stammwürze und 7,2% Alc.

Man muss manchmal raus, um zu sich selbst zurückfinden zu können. Funktioniert anscheinend ganz gut. In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Abend, eine gute Zeit, Langmut und Kraft. Wir sehen uns!

PS: Für all jene, die jetzt auf mich Egosau schimpfen und meine Frau bemitleiden, die mit den Blagen allein zu Hause sitzen muss; sie kriegt ihren Ausgleich im Spätsommer. Da ist es draußen auch noch viel schöner… 😉

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Selber radikal?

Ich gehe manchmal gerne an die Grenzen; und gelegentlich auch darüber hinaus. Die Grenzen des guten Geschmacks, die Grenze der Beleidigung, die Grenze der Sachlichkeit. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich das nur tue, um meine Inhalte zu befördern, aber seien wir doch mal ein bisschen ehrlich zueinander: ich tue dies, weil es Teil meiner Natur und meiner Agenda ist. Man kann zweifellos darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Politiker und Wirtschaftsbosse zu beschimpfen, wenn es doch sowieso nichts ändert, aber wenn man sich den öffentlichen Diskurs der letzten Jahre – oder besser dessen Veränderung – anschaut, wird offenkundig, dass die Tonlage rauer geworden ist. Und das sogar ganz ohne mein Zutun…

Nun nehme ich jene, die ich als Feinde der Demokratie und des Sozialen an sich erachte gerne auf die Schippe, gebe ihnen deftige Kosenamen oder bezeichne sie als Spacken, obschon das manchmal gar nicht nötig wäre; ich meine, Volker Pispers hat mal gesagt, er brauche sich zu Fr. Dr. Merkel nichts auszudenken, es reiche sie wörtlich zu zitieren, um sie lächerlich zu machen. Das könne er nicht besser. In einem Zeitalter, wo jedes öffentlich gesagte Wort sofort seziert, aus dem Kontext gerissen zitiert, im Munde verdreht und sonst wie missbraucht wird, wenn die betreffende Person nur einen gewissen Bekanntheits- oder Wichtigkeitsgrad erreicht hat, ist eine Kultur der vollautomatischen Desavouierung entstanden, der ich mich leider selbst gelegentlich anschließe.

Sachinhalte werden dabei entstellt und zu etwas umgeformt, dass sie eigentlich nie waren, nie sein sollten. Es ist nicht so, dass mir die Betroffenen leidtäten. Nur zu oft haben sie diesen Shitstorm mehr als verdient. Aber eben nicht immer. Es wird, egal bei welchem Sujet, immer dann problematisch, wenn überhaupt nicht mehr differenziert wird zwischen Person und Sache und eine Äußerung von, na sagen wir mal Fr. Nahles sofort mit Buhrufen und Schmähungen überzogen wird. Fr. Wagenknecht ist auch jemand, der dermaßen polarisiert, dass man nur noch die Gestalt sieht, jedoch nicht die Sache; gerade Fr. Wagenknecht kultiviert dabei aber auch ein gewisses Image, dass Menschen anderer Meinung auf die Palme treiben kann. Ich bin Soze, aber auch mir schwingt im Hinterkopf immer diese Wort „Arroganz“ herum, wenn ich sie dozieren höre.

Aller Sympathie oder Antipathie zum Trotze berauben wir uns des, für die Demokratie so wichtigen Pluralismus der Meinungen, wenn wir immer nur „Buh“ rufen. Ich fasse mir mal eben an die eigene Nase…! Wie weit ist denn der Weg von mehr oder weniger absichtlichem Falschverstehen und aus dem Zusammenhang reißen von Zitaten hin zu Fake News? Ganz genau, es ist nur ein einziger Schritt und wir sollten uns alle ganz genau fragen, wer gerade was in wessen Interesse äußert? Hat der russische Geheimdienst tatsächlich durch „social engineering“, also gezielte Manipulation und Desinformation über die sozialen Medien Einfluss auf die Präsidentenwahl in den USA genommen? Wenn das tatsächlich so wäre (was noch bewiesen werden muss), wäre es, vollkommen unabhängig von der Personalie Trump ein bislang einzigartiger Vorgang, der uns hier in Deutschland alarmieren sollte. Denn welche Parteien würden davon profitieren, wenn russische Kräfte solche Strategien auch hier bei uns im Bundestagswahlkampf einsetzen würde. Man erinnere sich an den „Fall Lisa“.

RT Deutschland weist den Verdacht, das Klima aufgeheizt und unwahr berichtet zu haben weit von sich, tatsächlich wurde in russischen Staatsmedien der mittlerweile als falsch erwiesene Vorwurf der Vergewaltigung verbreitet und so ein Klima des Hasses geschürt, insbesondere durch die Äußerungen des russischen Außenministers Lawrow! über die „Vertuschung“ des Vorfalls seitens deutscher Sicherheitsbehörden. Auch wenn man öffentlich zurückgerudert ist, hat der Fall Teile der Deutschrussen radikalisiert und nach rechts getrieben. Und nur darum ging es hier. Auch Deutschland ist vor social engineering nicht sicher und mit Sicherheit sind da unterschiedlichste Interessen vertreten.

Ich will mich an Fake News nicht beteiligen, ich will unabhängig bleiben und auf dem Boden der Tatsachen stehen, auch wenn ich gerade eben etwas spekuliert habe. Doch dies ist eine politische Glosse und kein investigativer Journalismus, wie etwa netzpolitik.org. Darum kann ich nur dazu aufrufen, diesen dämlichen Teilen-Button in diesem dämlichen Fratzenbuch so sparsam wie möglich zu nutzen und vorher darüber nachzudenken, was man glaubt. Hier zum Abschluss eine kleine Liste von Quellen, die NICHT GLAUBWÜRDIG ODER ZUMINDEST MIT VORSICHT ZU GENIESSEN SIND (und das sind nur ein paar):
https://anonymousnews.ru
https://derhonigmannsagt.wordpress.com
https://compact-online.de
https://www.jungefreiheit.de
https://www.kopp-verlag.de

PS: Eine kurze Webrecherche genügt: Kein, oder nur ein ungenügendes Impressum, bzw. kein administrativer Ansprechpartner (Person) sind ein schlechtes Zeichen. Auf https://www.denic.de kann man den Besitzer einer Domain ansehen, und nicht selten lässt sich direkt herausfinden, dass es sich um Briefkasten-Adressen handelt. Und bei manchen sprechen einfach die veröffentlichten Publikationen für sich. Der Begriff „Alternative Fakten“ wurde nicht von Kellyanne Conway erfunden…

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