A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part6

Es gibt in den Erziehungswissenschaften und verschiedenen verwandten Disziplinen seit langem eine Diskussion darum, ob sich die (Aus)Bildung eines Jeden zuerst am humanistischen Ideal ganzheitlicher Bildung orientieren soll, oder doch an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit dessen, was gelehrt/gelernt wird. Soll man einen Menschen dahin führen, dass er freiheitlich für sich selbst entscheiden kann, oder soll er einfach nur dazu befähigt werden, sich so gut wie möglich in den Wertschöpfungsprozess integrieren zu können? Dies ist eine polemische Überspitzung einer wesentlich komplexeren Frage, denn natürlich muss auch jemand, der Humboldt huldigt anerkennen, dass Broterwerb zumindest gegenwärtig noch ein existenziell notwendiger Bestandteil unseres Daseins ist.

Der Staat und die Wirtschaftsunternehmen haben ein vitales Interesse daran, dass die Menschen vor allem zum Arbeiten befähigt werden. Dazu müssen die Leute lesen, schreiben, rechnen und Maschinen bedienen können. Die Wirtschaft braucht das, weil sie einen stetigen Nachschub an Fachkräften benötigt, um leistungsfähig bleiben zu können. Der Staat, weil er Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst durch Erwerbseinkommen bestreiten können, unterstützen muss (Stichworte: ALG I und Hartz IV), was natürlich Geld kostet. Diese Argumentation läuft also auf rein wirtschaftliche Fragen hinaus, die natürlich zum Leben dazu gehören. Aber was ist mit Teilhabe an Gesellschaft. Lebe ich nur, um roboten zu gehen (wie die Toten Hosen mal in eine Liedzeile geschrieben haben) und das Drumherum ist mir egal? Dann kann ich das auch in einem totalitären Regime tun. Oder mache ich mir Gedanken über meine Umwelt und habe eine Meinung, die ich vertreten sehen möchte? Dann sollte ich aber etwas darüber wissen, wie der Staat, in dem ich lebe und seine Institutionen funktionieren. Wie man Wahrheit und Unwahrheit unterscheidet. Wie man auf Basis von Fakten Entscheidungen trifft. Wie das Zusammenleben mit Anderen funktionieren sollte. Was man tun darf und was man besser lassen sollte. All diese Dinge eben, die einem eine sinnvolle Form von Bildung vermittelt.

Und das tun unsere Bildungsinstitutionen sehr wohl; wenn auch nicht immer optimal. Sie könnten es allerdings noch wesentlich besser, wenn man nicht jedes Mal, wenn die Wirtschaft nach Erleichterungen schreit (damit ein paar Reiche noch reicher werden können, denn darauf laufen Steuererleichterungen und extra niedrige Energiekosten für das produzierende Gewerbe hinaus) der Finanzminister seinen Rotstift zur Hand nähme und ihn dort ansetzte, wo sich die Leute am schlechtesten wehren können, nämlich bei bestimmten Sozialausgaben und Bildung. Es klingt vielleicht fast albern einfach, aber: gäben wir mehr für Bildung aus, hätten die Leute ein besseres Bildungsniveau, bekämen sie für ihre Arbeit eine angemessene Entlohnung (nämlich ihrem Bildungs- und Kompetenzniveau entsprechend), müsste der Staat nicht so viel für Sozialausgaben einplanen und hätte vielleicht mal was für die Schuldentilgung übrig. Die Wirtschaft hingegen hätte es dann leichter, sich qualifizierten Nachwuchs heranzuziehen, der wiederum, weil umfassend gebildet, in der Lage wäre, sinnvolle soziale und politische Entscheidungen zu treffen, was das Gemeinwesen von Opportunitätskosten entlasten würde (z. B. keine rechts- oder linksextremen Demos => weniger Aufwand für die Polizei => keine Überstunden => weniger Kosten).

Natürlich sind die Sachverhalte hier vereinfachend dargestellt. Aber wie soll es besser werden, wenn wir nicht einmal damit anfangen, darüber nachzudenken, was man besser machen könnte, anstatt immer nur nach einem Sündenbock dafür zu suchen, dass es uns subjektiv schlecht geht? Oder besser gesagt, dass es uns subjektiv schlechter geht, als den anderen, mit denen wir uns so gerne vergleichen? Warum werden unsere Gehaltsabrechnungen (wohl bemerkt beim gleichen Arbeitgeber) in verschlossenen Briefumschlägen überreicht, obwohl jeder mit einem Blick in die Tariftabelle leicht ausrechnen könnte, wie viel ich monatlich circa überwiesen bekomme? Es sind übrigens im Mittel etwa 2450,00€ netto. Warum wohl? Weil wir hier in der bunten Republik Deutschland eine Neidgesellschaft sind. Wir gönnen unserem Nachbarn oft nicht sein Auto, sein Haus, seine Heimkinoanlage, weil wir davon überzeugt sind, dass wir es eher verdient haben als er, diese Dinge besitzen zu dürfen. Bullshit!

Ich habe Verständnis, wenn jemand, der von Hartz IV leben muss sich denkt, „Scheiße, das hätte ich auch gerne!“, denn eigentlich denkt er sich „Scheiße, ich hätte auch gerne einen Job, mit dem ich mir meinen Lebensunterhalt und ein bisschen Spaßgeld selber verdienen kann!“ Stattdessen muss er sich als faul und dreist beschimpfen lassen, weil es ein paar faule Äpfel in der Kiste gibt, die sich auf Kosten des Gemeinwohls durchprokrastinieren. Aber jemand aus der Mittelschicht, zu der ich im Übrigen auch zähle? Welches Recht hat so jemand auf seinen Neid?

Part 7 übermorgen

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A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part5

Nun ja, Nationalismus ist ja gerade wieder En Vogue und da das menschliche Gedächtnis ja offenkundig schlecht ist (noch mal zum Mitschreiben: das Zusammenwachsen der Nationen Europas nach dem zweiten Weltkrieg führte zur längsten Periode des Friedens und der Prosperität, die Europa jemals seit Christi Geburt gekannt hat) rauschen wir geradewegs in eine Renaissance der Abschottung, der Xenophobie, der Handelskriege, der Verfolgung Andersartiger – und am Ende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder in einen Weltkrieg, wenn nicht jene Kräfte, die man als liberale Demokraten kennt diesem Schwachsinn die Stirn bieten.

Es ist ein – sozialpsychologisch leicht erklärbares – Urbedürfnis des Menschen, sich einer Gruppe zugehörig fühlen zu wollen. Ein guter Anführer weiß, wie er dieses Bedürfnis instrumentalisiert, um Menschen an sich zu binden. Er muss ihnen nur einen Feind zeigen, den alle Gruppenmitglieder gleichermaßen gerne bekämpfen würden; die Gründe dafür sind im Übrigen vollkommen egal. Dann muss dieser Anführer eine Strategie benennen, wie er diesen Feind zu bekämpfen gedenkt; auch ob er das dann tatsächlich in aller Konsequenz umsetzt, ist eher nachrangig. Denn dann hat er diese Stimmen bereits gewonnen. Siehe Donald Trump, der das gesellschaftliche Klima in den USA schon jetzt wahrscheinlich für ein Jahrzehnt vergiftet hat, obwohl er noch keinen Tag lang präsidiert hat.

Gleiches tun unsere AfD hier, Le Front National in Frankreich, Jobbik in Ungarn, die Partij voor de Vrijheid in den Niederlanden, etc. Überall rings um den Globus gibt es solche politischen Kräfte, die ein nationales Einheitsgefühl beschwören und (zumeist hochstilisierte) äußere Feinde als einendes Element benutzen, dass ihnen Zulauf garantiert. Funktioniert bei Putin schon seit fast zwei Jahrzehnten. Wer da nicht die, allerdings sorgfältig verbrämte Diktatur erkennen kann, hat nichts von dem kapiert, was ich hier zu erklären versuche.

All diese politischen Kräfte machen sich die Eigenheiten des jeweiligen parlamentarischen Systems zu Nutze, sie haben kein Interesse daran, die Verhältnisse tatsächlich nachhaltig zu verändern (die zu hochfliegende Radikalität Hitlers haben sie intellektuell bestens verarbeitet), denn die Vorteile, welche der industriell-militärische Komplex in Sachen Systemstabilität und Machterhalt bietet, wollen sie natürlich genauso gern nutzen, wie andere etablierte Parteien auch. Die AfD ist keine Alternative für Deutschland, sie ist Arbeitsbeschaffung für Demagogen, die sich gerne ihr Stückchen Macht sichern möchten. Der Ottonormal-Dummkopf ist Leuten wie Frau Dr. Petry dabei genauso egal, wie Herrn Gabriel oder Frau Dr. Merkel – oder sagen wir, sie verstehen dessen Sorgen und Probleme gar nicht mehr, oder haben dies noch nie getan.

Welche Alternativen haben wir dann aber?

Zuallererst mal würde es sich empfehlen, zu einer realistischen, an den Tatsachen orientierten Betrachtungsweise zurückzukehren. Ja, es gibt Probleme mit der Zuwanderung. Es gibt soziale Probleme in Deutschland, sogar erhebliche! Und es gibt viele Menschen, die von der aktuellen Art Politik zu machen desillusioniert sind und sich deswegen Menschen zuwenden, die mit billigen Heilsversprechen und einem super Sündenbock aufwarten, jemandem, der so schwach ist, dass er sich kaum wehren kann. Es würde schon helfen, die Probleme offiziell und klar zu benennen und dazu gleich einen Zeithorizont zu liefern, wann man sie anzugehen gedenkt. Wenn man dann noch ein paar halbwegs realistische Ideen mitlieferte, was man zu deren Lösung gern täte, wäre das schon die halbe Miete, um die Menschen gedanklich wieder ins Boot zu holen. Die sitzen zwar sowieso drin, nur momentan sehen sie es nicht ein, auch nur über das Rudern nachzudenken.

Ja, man wird eine gewisse Zahl wieder abschieben müssen. Dazu sind Infrastruktur-Maßnahmen notwendig. Aber wesentlicher ist, dass wir sowieso viel zu wenig in Bildung investieren. Bildung ist der Schlüssel, alle Menschen hier fit für die Zukunft in der Wirtschaft 4.0 zu machen. Und es gibt einen Fachkräftemangel in vielen Branchen. Ich darf doch nicht erwarten, dass die Menschen von woanders alles mitbringen, was es braucht. Hat jemand von euch schon mal den Job gewechselt, oder auch nur die Stadt…? Unser Bildungswesen braucht Personal, Ressourcen und etwas Zeit, dann können wir Perspektiven für die allermeisten Menschen entwickeln. Das geht aber nur, wen ich Integration nicht als reine Kosten-Nutzen-Rechnung betrachte. Und genau den Fehler machen wir gerade, nämlich alles dem Primat der Wirtschaftlichkeit unterordnen zu wollen, eben jenem Götzen, der unser Zusammenleben immer rationaler und weniger sozial zu gestalten sucht, im Bemühen um Gewinn – für Andere…

Part 6 übermorgen…

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A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part4

Doch anstatt zu fragen, warum nicht das Richtige getan wird, nämlich die Probleme einfach anzugehen und dafür wertschöpfende, nachhaltige Strukturen zu schaffen, schauen wir dabei zu, wie man unsere Bürokratie noch mehr aufbläht (viel zu spät und viel zu wenig hat man in unser Zuwanderungswesen investiert), anstatt Projekte zu schaffen und zu unterstützen, die tatsächlich Integration bewältigen. Sprachkurse, Staatsbürgerkurse, schnelle, unbürokratische Assimilation in den örtlichen Arbeitsmarkt, etc. Diese Projekte findet man in den Kommunen, auf der Mikroebene unserer Gesellschaft, direkt bei den einzelnen Menschen. Dorthin müssen Ressourcen fließen, nicht, wie jetzt, in machthungrige, lediglich auf Selbsterhalt bedachte Behördenapparate, deren Innovationsfähigkeit und Kreativität gegen Null konvergieren. Nur Menschen schaffen Lösungen für menschliche Probleme!

Wie sehen, dass es falsch läuft, wir wissen instinktiv, dass etwas gewaltig nicht stimmt im Staate Deutschland, doch bevor man sich selbst darin involviert, diese Probleme zu lösen, vielleicht mit anzupacken und so herauszufinden, wie diese Menschen so sind und warum sie tatsächlich hergekommen sind, lehnt man sich in seinem Sessel zurück und krakeelt – in der rechten die Fernbedienung, in der linken eine Pulle Bier – „Jawoll, raus mit dem Lumpenpack!“. Wenn man ein bisschen aktiver ist, nimmt man die Pulle Bier mit, geht mit ein paar Kumpels zur örtlichen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und schiebt dort ein bisschen Randale. Oder man demonstriert als PEGIDA-Anhänger pauschal gegen alles, was mit der anderen Religion zu tun hat. Klingt für mich ein bisschen nach Bauernkrieg und Inquisition. Ich dachte ja, wir hätten das Mittelalter lange hinter uns gelassen, aber in so manchem Kopf herrscht wohl doch noch Finsternis…?

Drei Missverständnisse: Erstens sind bei weitem nicht alle Flüchtlinge Muslime. Zweitens sind übrigens auch alle Flüchtlinge zuallererst Menschen und erst danach etwas anderes, wie z.B. koptische Christen. Und drittens ist Kultur ein stets im Wandel begriffener, dynamischer Prozess. Andernfalls lebte ich noch im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen und wäre kein lutherisch-reformierter Protestant (zumindest den Papieren nach), würde nicht einem von mir selbst gewählten Handwerk nachgehen und hätte wahrscheinlich auch gar keine Möglichkeit, mich über dieses Medium hier (also das Internet) zu äußern. Ich bezweifle nämlich, dass mir in einem monarchischen Feudalstaat das Recht zur freien Meinungsäußerung zustünde. Aber wenn ich mir diese dämlichen Rechtsaußenkrakeeler Poggenburg und Höcke so anschaue, wäre das ja vielleicht gar nicht mal das Schlechteste.

Übrigens sind auch Wanderungsbewegungen großer Menschenmengen nichts Ungewöhnliches, oder habt ihr noch nie was von der Völkerwanderung gehört? Wie dem auch sei, wer diesen Rattenfängern auf den Leim geht, ist selber schuld, wenn er irgendwann auch selbst deportiert wird; oder was auch immer… Nationalistisch-völkisch motivierter Hass kann sich auch ganz schnell andere Ziele suchen und das betrifft dann jeden, der nicht auf Linie ist. Vielleicht gibt es dann Umerziehungscamps für Dicke (Stichwort Volksgesundheit), oder für gewalttätige Dummköpfe (ich weiß zwar nicht, wo sie dann ihre „Sturmtruppen“ hernehmen wollen, aber da wird sich schon was ergeben, oder?), oder vielleicht auch für Frauen, die keine Lust haben, Kinder zu kriegen…? Wer jetzt anfängt und es toleriert, wenn fehlgeleitete Mitmenschoiden mit dem Finger auf andere zeigen und versuchen, diese zu tyrannisieren, der macht sich bereits mitschuldig an allem, was danach noch kommt! Aber in Deutschland 1945…überall nur Antifaschisten, die ja gar nicht gewusst haben, was die Nazis so treiben, nicht wahr…?

Keine verdammte Handbreit Boden darf man Menschen noch geben, die im Internet rassistischen Mist teilen, auf Demos anderen Menschen ihr Daseinsrecht absprechen und überall bedrohen, mobben, verletzen und hetzen. KEINE VERDAMMTE HANDBREIT! Und was machen die Menschen rings um mich herum? Zucken mit den Schultern und machen weiter, als wenn nix wäre. Unser Problem sind nicht die Flüchtlinge als eine Gesamtheit, die es so nicht gibt, weil sie aus vielen Gründen aus vielen Herren Ländern zu uns gekommen sind. Unser Problem ist ein Staat, der sich nicht drum kümmert und nur verwaltet, anstatt Integration zu leben. Der sich mit sich selbst beschäftigt (Wahlkampfjahr!), anstatt die Problemfälle schnell und gezielt auszusortieren und abzuschieben, was ich ausdrücklich befürworte. Doch dazu müsste man Geld in die Hand nehmen, dass aber die neoliberalen Lobbyverbände viel lieber in private Taschen stecken möchten. Und weil Geld nun mal die Welt regiert, fließt dort noch mehr Geld hin, wo eh schon welches ist.

Part 5 morgen…

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A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part3

Und solche Spacken wollt ihr wählen? Die genauso weitermachen wollen, wie die Etablierten, nur noch ein bisschen rassistischer, ungerechter und heuchlerischer als bislang? Ja, total die gute Alternative, echt jetzt… Ja, es ist total einfach, unsere sozialen Probleme und Ängste auf Menschen zu projizieren, die hierherkommen, weil sie auf ein besseres Leben hoffen, mehr Sicherheit, ein funktionierendes Sozialsystem, Arbeit, etc. Man könnte vielen von denen vorwerfen, dass sie doch nach Hause gehen und dort helfen sollen, das eigene Land wiederaufzubauen, anstatt bei uns auf unsere Kosten leben zu wollen. Ja, natürlich sind da Verbrecher mit dabei, Typen, die sich durchschlawinern wollen, die absolut nicht hierher passen und die uns hier nichts nützen. Ungefähr in der gleichen Prozentzahl, wie wir solche eben schon hier haben, nur dass unser Verbrecher, Sozialschmarotzer und potentiellen Gefährder schon von jeher einen deutschen Pass haben.

Gutmensch! Islamversteher! Volksfeind! Linksgrün versiffter Möchtegern-Intellektueller! Ja aber hallo, bin ich alles. Nennt mich was ihr wollt, aber es ist eine sozialwissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass unsere jetzigen Probleme ihre Wurzeln in den 60ern des 20. Jahrhunderts haben, als man es verabsäumt hat, den Menschen, die man hierher zum Arbeiten einlud eine Perspektive für das Leben hier zu geben und ihnen keinerlei Chancen gab, sich in die Bundesdeutsche Gesellschaft zu integrieren. Das war kein Ding, so lange es genug Arbeit für alle gab. Jedoch waren diese Menschen in der absoluten Mehrzahl keine hochqualifizierten Fachkräfte, sondern arme, ungebildete Menschen vom Land, die hier in Deutschland die einmalige Chance bekamen, auch ohne anfänglich über viel Wissen und Können verfügen zu müssen gutes Geld zu verdienen und sich Existenzen zu schaffen. Die Fremde war für sie genau das: fremd. Gleich und gleich gesellt sich gern, weil es dem Individuum in der Fremde Sicherheit und Stabilität gibt, ein Gefühl von Heimat. Und heute, 50 Jahre später wundern wir uns, dass in unseren Großstädten Ghettos gewachsen sind, in denen wir als Einheimische kein Wort verstehen, uns fremd vorkommen und oft auch nicht willkommen sind. Was unser Politiker in 50 Jahren verbockt haben, kann NIEMAND in wenigen Monaten oder Jahren richten. Und dann kamen auch noch NEUE dazu…

Diese Neuen, nennen wir sie doch einfach mal Flüchtlinge, haben alles, was sie kannten hinter sich gelassen, um in eine neue, ungewisse Zukunft aufzubrechen. Die Vorstellungen, welche sie vom Empfang in Deutschland haben, dürften eher vage sein, da das Bild, welches man sich von einem anderen Land nur durch die zur Verfügung stehenden Medien machen kann kaum vollständig oder auch nur annähernd realistisch sein kann. Dann landen sie in unserem Apparat und werden wie Fallakten hin- und hergeschoben, auch mal vergessen, fallen durch’s Raster, entziehen sich dem Ganzen bewusst (entweder, weil sie Terroristen sind, oder weil sie schlicht Angst haben), oder lernen schnell, wie man aus den Mängeln und Problemen unserer hochgelobten Bürokratie Gewinn ziehen kann. Wer würde ihnen das verdenken – unsereins versucht ja auch Steuern zu sparen, wo es nur geht.

Und wieder macht die Politik die gleichen Fehler, einerseits, weil alles unter Zeitdruck geschehen musste (ich stehe zu Frau Merkels „Wir schaffen das“, aber diese eine Bemerkung war doch ein wenig unbedacht…) und andererseits, weil man sich nicht bereitgefunden hat, die notwendigen Ressourcen zügig und effektiv zur Verfügung zu stellen. Wenn ich die Worte „Haushaltskonsolidierung“ „schwarze Null“ und „Austerität“ noch mal hören muss, flippe ich aus, Herr Schäuble. Wir müssten JETZT investieren: zuerst in BILDUNG, dann in öffentliche Infrastruktur (ja auch in die Polizeien des Bundes und der Länder) und schließlich in die Entwicklungshilfe – dann könnten wir uns Rüstungsausgaben sparen. Anstatt sich mit den Händen im Schoß hinzusetzen und zuzuschauen, wie die Schwarmintelligenz und der Schwarmfleiß deutscher Bürgerinnen und Bürger die Probleme lösen, welche eine funktionierende Politik hätte lösen müssen und das so lange, bis die Menschen ausgelaugt waren, hätte man sofort, unbürokratisch und unprätentiös einschreiten und dort unterstützen müssen, wo es nötig war. Doch unser Geld fließt immer durch unendlich langsame, unflexible und nutzlose Apparate, ohne je seine volle Wirkung an der richtigen Stelle entfalten zu können; weil zu viele Opportunisten mit durchgefüttert werden, die in ihrem Leben noch nie ein echtes Stück Arbeit vollbracht haben…

Part 4 morgen

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A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part2

Wenn es jedoch an das Überblicken größerer Sachzusammenhänge geht neigen wir dazu, unsere recht zielsicheren Instinkte von richtig und falsch über Bord zu werfen und stattdessen auf (zumeist selbsternannte) Experten zu hören, die uns in die eine oder andere Richtung zu lenken versuchen. Betrachtet man Politik vereinfachend und eher nüchtern, geht es immer nur darum, Mehrheiten für die eine oder andere Sichtweise zu beschaffen. Denn die Mehrheit sagt, wo’s langgeht.

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass wir offenkundig dazu neigen, Menschen hinterher zu rennen, die ganz klar nicht unser, sondern ihr eigenes Bestes im Sinn haben. Wie könnte man es sich sonst erklären, dass das Wahlvolk wieder und wieder bei Parteien sein Kreuzchen macht, deren einzige Errungenschaft in den letzten drei Jahrzehnten die beschleunigte Umverteilung aller erwirtschafteten Werte von unten nach oben ist. Jede Regierung seit 1982 hat die Spreizung zwischen Arm und Reich verschärft, die Reichsten reicher, die Ärmsten ärmer und die Sozial- und Gesundheitssysteme weniger leistungsfähig, dafür aber für die Besitzer von Dienstleistungsunternehmen in diesem Sektor profitabler gemacht.

Es geht uns nicht besser! Oh ja, es ist viel mehr Geld da und eine beeindruckend große Zahl Menschen hat heute einen Job. Allerdings liegt die Arbeitslosenquote immer noch deutlich über der von 1982. Und wesentlich mehr Menschen als damals können von ihrem erwerbseinkommen nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das ist nämlich, was der Begriff „prekäre Arbeitsverhältnisse“ meint. Arbeiten zu gehen und dennoch nicht genug zum Leben zu haben. Ein durchschnittlicher Monat hat 21 Arbeitstage. Bei 8,88€/h Mindestlohn reden wir also von 1491,84€. Brutto! Das macht in Baden-Württemberg, wo ich wohne 1098, 54€ netto. Spätrömische Dekadenz, nicht wahr? Mal ehrlich, speziell alleinerziehende Mütter, die oft in solchen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, sollen davon ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder bestreiten? Ja, die leben bestimmt in Saus und Braus…

Diese knapp 1100 Ücken gibt so Mancher, der von oben auf die sozialen Probleme in unserem Land schaut an einem Abend für Schampus aus. Ich gönne jedem hart arbeitenden Boss seinen Schampus, sein Chalet, seinen Porsche. Auf diese Art von Diskussion will ich nicht hinaus. Denn er (sind ja fast immer noch alles Kerle) hat zumeist für seine Position studiert, hart gearbeitet und selbst einen schweren Weg gehen müssen. Aber ein System, dass die schaltenden und waltenden Eliten belohnt und gleichzeitig – zumindest subjektiv – jene bestraft, welche die tatsächliche Wertschöpfung schultern, wird uns in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren fliegen. Und das vollkommen zu Recht.

Doch zurück zu unserer Wahrnehmung. Anstatt also mal darüber nachzudenken, dass die etablierten Parteien uns immer wieder Versprechungen machen, die sie nicht halten und überdies Sozialsysteme demontiert haben, um neue Geschäftsmodelle für die neoliberalen Einflüsterer (Lobbyist sagt man, glaube ich, in gebildeten Kreisen) schaffen zu können, rennen wir entweder Mutti Merkels Gestrigen-Club hinterher, fühlen aus tradtitioneller Verpflichtung heraus mit Polter-Siggi und seinen planlosen Sozen, oder glauben tatsächlich, dass die AfD eine Kraft des Volkes sein könnte. Lest ihr eigentlich die Parteiprogramme? Ach so, halt… ihr lest ja nicht mal die Nachrichten, ich vergaß…

Die AfD will Frauen zum Kinderkriegen verpflichten (ade Gleichberechtigung – wie wohl Frau Dr. Petry selbst das findet?), unsere Kinder auf das klassisch deutsche Lebensmodell (Vater, Mutter, Kinder, etc.) verpflichten (keine gleichen Rechte für Andersdenkende oder sexuell anders orientierte mehr) und die Wirtschaft stärken, indem sie die Erbschaftssteuer abschaffen, die Märkte noch mehr deregulieren, etc. Ähm, ach und sie wollen mehr soziale Gerechtigkeit und lehnen TTIP ab…! Ja was denn nun?

Noch mal für alle zum Mitschreiben: wenn ich Märkte dereguliere und Regeln des Wirtschaftens liberalisiere (sagen wir mal den Kündigungsschutz lockere), dann bekommen wir amerikanische Wirtschaftsverhältnisse. Das aus dem Steelbelt mittlerweile der Rustbelt geworden ist, hat aber der eine oder andere schon gehört, oder? Zudem basiert unsere Wirtschaft zumindest im Moment auf einem Außenhandelsüberschuss; will heißen, uns geht es gut, weil wir so viel Zeug teuer ins Ausland verkaufen und weniges billig zurückkaufen. Das muss zwar mittelfristig tatsächlich anders werden, aber eine hastig eingeführte protektionistische Handelspolitik, wie sie Donald Trump gerade anstrebt, treibt die Wirtschaft in eine Rezession und damit Menschen in die Armut, denn unsere neoliberalen Superfreunde von der AfD werden kaum Mercedes oder Thyssen-Krupp die Zeche solcher Dummheiten zahlen lassen. Also wäre wieder Ottonormal-Dummkopf dran.

Part 3 morgen…

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A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part1

[Prä-Scriptum: Das hier wir ein, die nächsten Tage täglich fortgeführter Mehrteiler]

Menschenskind, Trump wird Präsident, wir werden alle verdammt noch mal untergehen!

War es dass, was ihr von mir hören wolltet? Tja, dann muss ich leider sagen, dass dies höchstwahrscheinlich nicht passieren wird, denn der Untergang unserer Zivilisation wäre verdammt schlecht für’s Geschäft – und Donald Trump liebt nichts mehr, als ein gutes Geschäft. Zumindest in der Hinsicht ist dieser hässliche, arrogante Vogel wirklich berechenbar. Und außerdem hat die republikanische Partei bewiesen, dass sie NICHT geschlossen hinter ihm steht. Wenn er also etwas anstellen sollte, dass nicht gut für die republikanische Agenda ist, dann werden sie ihn schon bremsen. Politik ist auch in den USA etwas komplizierter als „Der Präsident hat gesagt…!“.

Was allerdings passieren könnte, wäre eine Verkomplizierung der transatlantischen Beziehungen. Mit Sicherheit wird dieses Kind versuchen, seine Drohungen zum Thema „Bezahl-Nato-Partnerschaft“ zumindest teilweise in die Tat umzusetzen. Nun ja, wie soll ich sagen: ich kann es erwarten. Ich persönlich finde es unnötig und auch ein bisschen kindisch, immerzu öffentlich ungelegte Eier zu bebrüten. Aber es entspricht wohl unserem Zeitgeist, potentielle Säue durch virtuelle Dörfer zu treiben, getreu dem alten Motto „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten!“. Natürlich haben wir uns mittlerweile daran gewöhnt, den ganzen Tag auf allen Kanälen mit BLITZNEWS beregnet zu werden, deren Gehalt häufig gegen Null tendiert und bei deren Konsum dass bisweilen mangelhaft erscheinende journalistische Handwerk übel aufstößt. Aber muss man das tatsächlich einfach so hinnehmen?

Die Qualität dessen, was da im Internet – sogar auf eigentlich seriösen Portalen – umhergeistert, macht es nicht eben einfacher, ernst gemeinten Journalismus von Fake News zu unterscheiden. Immerhin reicht der Anblick einer professionell aufgemachten Webseite nicht mehr aus, um auf einen korrekten Inhalt der publizierten Themen schließen zu können. Eine hinreichend gute Seite kriege sogar ich hin und ich bin definitiv kein IT-Spezialist. Da jedoch das Nutzerverhalten sich häufig darin erschöpft, Überschriften zu lesen und sich den Rest zu denken, reicht die richtige Optik für einen Beschiss. Man könnte jetzt verlangen, dass die Leute halt richtig lesen sollen, aber mal ernsthaft: wer liest denn tatsächlich die Zeitung, so im Sinne von Textverständnis? Ich oute mich mal – ich überfliege häufig auch nur Titelzeilen und orientiere mich an den Schlagworten. Allerdings glaube ich von mir, ein halbwegs gutes Seriositäts-Radar entwickelt zu haben. Ich glaube zum Beispiel nicht an eine ernsthafte neurologische Erkrankung Hillary Clintons, oder einen Papst Franziskus, der Donald Trump unterstützt. Wenn etwas unglaubwürdig klingt, dann… ach Stopp, um nicht leichtgläubig zu sein bedarf es ja einer gewissen Bildung, oder?

Verflixt! Ja, ich glaube, dass es jede Menge Menschen gibt, die schlicht zu blöd dazu sind, als dass man sie als Bürger bezeichnen könnte! Gut… manche sind auch einfach nur zu unbedarft. Einfache Lösungen für komplexe Probleme standen schon immer hoch im Kurs, da kann man jeden erfolgreichen Diktator/Demagogen des 20. und 21. Jahrhunderts fragen. „Gib dem Volk einfache Antworten! Die komplizierten versteht es eh‘ nicht!“. Man mag diese Einstellung verstehen, aber sie wiederspricht einem der Grundgedanken unserer modernen Demokratie, nämlich der Idee vom mündigen Bürger, also einem Individuum, das informiert und bewusst auch über komplexe Sachverhalte des Zusammenlebens frei und nur seinem Gewissen verpflichtet entscheiden kann.

Das ist natürlich eine Idealvorstellung, der man nur schwerlich entsprechen kann, ist es doch schon schwierig, ohne Sachkenntnis über etwas so Einfaches wie das Abhalten oder Nichtabhalten einer Bundesgartenschau im eigenen Ort zu befinden. Dennoch ist der Kern der Idee vom mündigen Bürger insoweit wichtig und richtig, als er uns Verantwortung für Aspekte des Privaten und Sozialen überträgt, die unser erweitertes Umfeld betreffen. Man kann schwerlich abstreiten, dass wir für unser Tun und Lassen direkt verantwortlich sind und in aller Regel lernt man recht gut, mit dieser Verantwortung umzugehen. Immerhin sitzen wir nicht alle gelähmt von der Angst vor möglichen Entscheidungen da und setzen Spinnweben an. Zu Leben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und die allermeisten von uns kriegen das im Detail auch ganz gut hin.

Part 2 morgen…

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A snipet of Christmas – oder „Advent, Advent, der Kittel brennt…“

Sind Weihnachten, der Advent, das Nikolausfest tatsächlich nur noch eine riesige, von der Industrie und vom Handel gepushte Konsumshow? Oder gibt es ihn doch noch irgendwo, den Geist der Weihnacht, der Ebenezer Scrooge zum besseren Menschen gemacht hat, der die Menschen einander näher und die Mildtätigkeit in uns zum Glänzen bringt? Sind wir, all der Geschäftigkeit und all dem Stress zum Trotz doch in der Lage, zum Jahresende mal zu entschleunigen, uns zu besinnen und den besseren Teil unserer Selbst ans Steuer zu lassen, um die Jahreszielgerade mit Augenmaß zu befahren? Und sind wir fähig, über unseren Schatten zu springen und die durch unser Christsein (sofern, wir tatsächlich welche sind) und die somit gebotene Barmherzigkeit und Nächstenliebe auch auf jene auszudehnen, die eines anderen, oder gar keines mosaischen Glaubens sind?

Natürlich, um dies gleich vorweg zu nehmen, kann ich diese Fragen, wenn überhaupt nur für mich selbst beantworten. Jeder mag für sich selbst feststellen, wie er dazu steht. Ich glaube allerdings, dass die Beschäftigung mit diesen Fragen wichtig und fruchtbar für jeden von uns sein kann. Ob das allerdings ausschließlich aus dem Anlass des heran nahenden Weihnachtsfestes sein muss, kann man diskutieren, denn eigentlich sollte man ja das ganze Jahr über Christ sein und nicht nur, wenn der wohlschmeckende Glühwein daran erinnert, dass man mal wieder mit den Kindern in die Kirche gehen könnte…

Ich habe kleine Kinder und die freuen sich auf Weihnachten. Natürlich auch wegen der Geschenke (Konsum: Check!); aber ich kann genau spüren, wie sie die Stimmung der Erwachsenen aufsaugen und wenn diese eine gewisse Festlichkeit zeitigt, spüren die Kinder das und machen mit. Außerdem lieben wir das Brauchtum, auch wenn es bedeutet, mit der Familie zusammen sein zu MÜSSEN (Freunde kann man sich halt aussuchen, Verwandte nicht!). Ich spüre die festliche Stimmung meist erst dann, wenn es wirklich soweit ist (Entschleunigung: Check!) und lasse mich dann auch gerne zum Spenden hinreißen (Mildtätigkeit: Check!). Ob ich mich wie ein Christ verhalte, oder nur mein Gewissen beruhige, darüber müssen andere richten! Zu einem besseren Menschen macht mich Weihnachten allerdings sicherlich nicht, denn ich bin davon überzeugt, dass ich meinen Umgang mit anderen Menschen jeglicher Herkunft nicht von einem religiösen Fest abhängig machen möchte. Dafür bin ich zu sehr säkular orientiert und ebenso sehr humanistischen Werten verpflichtet.

Wie auch immer, ich wünsche allen eine erquickliche Adventszeit und wenn’s dann soweit ist auch frohe Weihnachten! Wir können es alle brauchen…

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Angst ist ansteckend!

Manche Mechanismen sind wirklich einfach zu erklären: So wie sich Viren bei mangelhafter Hygiene sehr schnell in größeren Menschenansammlungen verbreiten, tun dies auch gewisse Emotionen; insbesondere Angst und Stress. Unsere Trieb- und Instinktausstattung, beheimatet im limbischen System, ist seit jenen Tagen, da wir im Lendenschurz und nur mit einem Holzstecken in der Hand Mammuts gejagt haben, zuerst darauf ausgelegt, mögliche Gefahren zu erkennen. Will heißen, unser Unterbewusstsein ist seit Jahrtausenden darauf getrimmt, alles und jeden darauf abzuchecken, ob’s Probleme geben könnte. Nun sind heutzutage existenzielle Bedrohungen zumindest für den zivilsationsgeschädigten Golo auf der Straße eher selten, wenn man es vermeidet, sich so dämlich anzustellen wie… oh, ja, ähm, so dämlich wie nicht wenige Andere: an Elektrik und Gasleitungen rumspielen, mit Kopfhörern im Straßenverkehr rumtaumeln, viel zu schnell Auto fahren, und manch anderes sind ja offenkundig voll im Trend. Aber wenn man von solchen Missachtungen der eigenen Sterblichkeit mal absieht, ist die Zahl unserer Fressfeinde doch eher überschaubar.

Da man sein Unterbewusstsein aber gar nicht abschalten kann, muss es sich irgendwie beschäftigen, was aber ohne tägliche Bedrohungslagen im normalen Umfeld dazu führt, dass es sich mit allem möglichen beschäftigt, egal ob nah oder fern, bekannt oder unbekannt, relevant oder irrelevant. Denkt man das zu Ende, verwundert es nicht, dass wir unbewusst überall Gefahren sehen und stets das Schlimmste erwarten – leider hoffen wir im Umkehrschluss nicht immer auf das Beste, wie das nämliche Sprichwort dies nahelegen würde. Und schon weiß man auch, warum Menschen sich vor Veränderung ängstigen. Routinen und Beständigkeit suggerieren uns Sicherheit und nur wer sich sicher fühlt, blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Doch genau diese Zuversicht ist es, die uns Pläne machen und an diesen arbeiten lässt. Ohne Glaube an eine sichere Zukunft verlieren jedoch alle Gewissheiten ihre Gültigkeit und die Angst macht sich breit. Diese Angst, einfach Alles zu verlieren.

Man könnte das jetzt als irrationalen Quatsch abtun und die Menschen mit Nachdruck darauf hinweisen, dass sie doch einfach mal nachdenken sollen, bevor sie sich von Ungewissheiten so weit ängstigen lassen, dass sie Alles über die Grundlagen des Zusammenlebens vergessen, bzw. verdrängen. Könnte man. Macht aber keinen Sinn! Die haben also Angst, dass ihr Leben schlechter werden könnte, weil jetzt Flüchtlinge ins Land gekommen sind. Messbar ist zwar noch nichts passiert, aber das allzu Fremde wird immer als Bedrohung interpretiert, also muss man dagegen vorgehen. Nun sind die Migranten keine Säbelzahntiger und heute gibt es zudem ein Strafgesetzbuch, dass Gewalt als Mittel zur Meinungsäußerung nicht mehr legitimiert. Folglich kann man die nur jagen und killen, wenn man auf die Regeln unseres Staates scheißt. Oder man hetzt, agitiert, verleumdet, mobbt, bedroht, aber immer schön so, dass es noch nicht strafbar ist – und wählt die Rechten, weil die ja machen, dass alles so bleibt, wie es immer war.

Ich verstehe, warum das so ist, weil ich mit Sozialpsychologie und Kommunikation ein wenig auskenne; aber ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass Menschen glauben, ihre Saturiertheit gegen Menschen verteidigen zu müssen, die alles zurückgelassen haben für die vage Hoffnung, dass es hier friedlicher sein möge. JA, es sind auch Arschlöcher dabei (Terroristen sind dumme, asoziale Arschlöcher und bekommen von mir keine eigene Bezeichnung mehr), JA, es sind Verbrecher dabei, JA, es sind Menschen mit einem anderen Kulturverständnis dabei – NEIN, es sind NICHT ALLE VERBRECHER, ARSCHLÖCHER, oder darauf aus, unsere Kultur zu vernichten. Was auch immer den Kern „unserer“ Kultur konstituieren mag.

Aber alle Rechten verfolgen eine im Kern neoliberale Agenda, welche die soziale Sicherheit der Mittelschicht untergräbt und nur den wirklich Reichen nutzt. Alle Rechten haben kein Interesse an sozialem Frieden und sozialer Sicherheit, weil eben Sicherheit und Zuversicht den Nährboden des Populismus vernichten; und keine Rechte Partei will sich selbst abschaffen. Kein Rechter wird dafür sorgen, dass alles so bleibt, wie es ist; vielmehr verfolgen alle Rechten ein Politik-Ideal, das Bürgerrechte einschränkt, freie Lebensentfaltung beschneidet und die Uhren in den Faschismus zurückdrehen möchte.
Ehrlich gesagt bin ich es satt, immer und immer wieder erklären zu müssen, warum die Alternative für Deutschland darin besteht, einfach die Ärmel hochzukrempeln und an der Gestaltung unserer Zukunft konstruktiv mitzuarbeiten, anstatt immer zu beklagen, das alles den Bach runtergeht. Wenn tatsächlich alles so sehr den Bach runterginge, wie das schon seit Jahren behauptet wird, müssten wir Kilometerlange Schlangen vor Suppenküchen haben, während sich in den Vorstädten Slums bilden und Menschen ohne Krankenversicherung elendig verrecken müssen, weil ohne Vorkasse nichts gemacht wird und… oh, stopp. Das waren ja die USA… Man mag mir meinen Populismus entschuldigen, aber mittlerweile glaube ich, dass die ewig gestrigen, anscheinend unbelehrbaren und gar nicht so unterschichtigen Klientel der AfD einfach auf genau die gleiche Art verbal (und falls notwendig auch sonst wie) vor den Koffer geschissen bekommen müssen, wie sie sich dies mir gegenüber erlauben.

Nein, man darf nicht einfach sagen, dass Politiker gehängt gehören. Nein, man kann nicht Migranten für die Probleme in unserem Land verantwortlich machen, wenn die Verantwortlichen jene Eliten sind, welche die Werktätigen in unserem Land mit dem mittlerweile totgerittenen Argument der Wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten Welt immer wüster ausbeuten. Ach und…NEIN – IHR SEID NICHT DAS VOLK! IHR SEID NUR EIN HAUFEN DUMMER, IGNORANTER, BLINDER, TAUBER und ABSOLUT ASOZIALER EGOISTEN! Schämt euch in Grund und Boden, Pack!

Schluss für heute – ich komme wieder, bin wütend genug…

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Miteinander? Umeinander? Gegeneinander?

Ich plaudere hier üblicherweise nicht über meine Arbeit, weil sie sensible Bereich berührt, die in einer öffentlichen Kommentierung nichts verloren haben. Doch um noch einmal auf das zu rekurrieren, was ich bereits gestern ausgeführt habe: ich laufe am Limit und einen gewissen Anteil daran hat auch das, was ich nun schildern möchte.

Im Rahmen meiner Arbeit gibt es einen Ort, an welchem es mir mittlerweile zunehmend schwerer fällt, meinen Dienst zu versehen. Einerseits, weil es dort ein paar Kollegen (bei weitem nicht alle, aber doch genug, um es problematisch zu machen) gibt, die ihre Arbeit nicht richtig erledigen und dann auch noch die Frechheit besitzen, sich in die meine einzumischen, weil sie meinen es besser zu können. Ich überlasse die Beurteilung meiner Verrichtungen zumeist anderen, weil Eigenlob stinkt und es zudem an dieser Arbeitsstelle Leute gibt, die das dort Verlangte tatsächlich besser können, als ich. Andererseits findet die Tätigkeit dort in einem unüberschaubaren Feld der Beliebigkeit statt, weil es bei vielen Detailfragen an sinnvollen Vorgaben mangelt und ein Management der Prozessqualität schlicht nicht stattfindet. Der daraus resultierende Umstand, das auf ein und denselben Sachverhalt von drei Kollegen drei vollkommen unterschiedliche Reaktionen erfolgen können, ist der Ergebnisqualität nicht unbedingt zuträglich.

Noch wesentlich problematischer ist aus meiner Sicht jedoch die, zumindest subjektiv gefühlt, vollkommene Führungslosigkeit. Es wird lediglich auf, von Außen vorgetragene Beschwerden reagiert, indem diese ungefiltert und unhinterfragt auf den jeweiligen Kollegen abgewälzt werden. Es gibt keine Rückendeckung, allerdings auch keinerlei regulierendes Eingreifen bei offensichtlichen Fehlern und kein sinnvolles Feedback hinsichtlich der geleisteten Arbeit. Vulgo bräuchte es niemanden, der in diesem Büro sitzt, es sei denn, man findet, der Job sei gut erledigt, wenn dauernd nichtssagende Tabellen und Aushänge generiert werden, die für das dort eingesetzte Personal weder einen strukturierenden Charakter, haben noch irgendwie sonst hilfreich sind.

Es versteht sich wohl von selbst, dass dieser Zustand höchst unbefriedigend ist, wenn man einen gewissen Anspruch an die Qualität der eigenen Arbeit stellt. Und den zu erfüllen, ist unter solchen Rahmenbedingungen nur sehr schwer möglich. Leider kann ich aus meiner Position nur sehr geringen Einfluss nehmen; selbst mein Dienstherr tut sich schwer, hier etwas zu ändern, das die dortige Arbeit in einer kooperativen Struktur besonderer Art erbracht wird und meine Mitarbeit darin gegenwärtig obligat ist.

Bisher habe ich damit dann und wann gehadert, wenn der Tag mal wieder besonders schlecht war, doch jetzt, da ich auch sonst unter erheblichem Druck stehe, ist meine diesbezügliche Frustrationstoleranz bei nahe Null angelangt. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass irgend jemand wieder versucht auf meinem Rücken zu prokrastiniren, oder auf meine Kosten Scheiße baut und dann eskaliere ich, denn ich habe den Kanal von dem dort gezeigten Maß an Unprofessionalität endgültig voll.

Mal schauen, wie das ausgeht, ich wage derzeit keine Prognose.

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Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

… dass ich so fertig bin? Ich wollte. Ich wollte es im Spätjahr ruhiger angehen lassen. Ich wollte mir eine Prokrastinationsmaschine kaufen. Ich wollte mich nicht forciert mit der Notwendigkeit befassen müssen, für meine Mutter so viele Dinge erledigen zu müssen, weil sie (leider nicht vollkommen unerwartet) ernsthaft krank geworden ist. Immerhin ist sie nun auf dem Wege der Besserung. Aber einen Menschen dieses Alters verpflanzen zu müssen, weil die eigenständige Erledigung des Haushaltes nicht mehr so funktioniert, was damit einher geht, zuvor das Einverständnis der Betroffenen einwerben zu müssen, ist ein langwieriger, zehrender und unbefriedigender Prozess. Das die anderen Verwandten mehr oder weniger offenkundig glauben, man hätte sonst ja nichts Besseres zu tun und daher auch die Pflicht, diese Unannehmlichkeiten abarbeiten zu müssen, macht es NICHT besser. Könnte daran liegen, dass Manche in mir immer noch ein Kind sehen. So ein Altersabstand zwischen Geschwistern kann lästig sein. Jedenfalls ist der Respekt für meine Probleme und Verpflichtungen nicht allzu ausgeprägt. Aber wir neigen ja alle dazu, uns um unser eigenes Zentrum zu drehen; ich mache da gewiss keine Ausnahme. Aber wenigstens etwas Verständnis wäre manchmal wohltuend.

Sich über so was zu beklagen, noch dazu öffentlich, ist vermutlich nicht die allerfeinste Art, aber das ist mir allmählich Wumpe, denn im Gegenzug fragt ja auch keiner, wie ich mit meinen ganzen anderen Verpflichtungen zu Rande komme. Und im Moment lässt sich mit Fug und Recht sagen: beschissen! In der Summe bin ich reif für die Insel – so reif, dass meine Gattin mir sagte, ich sollte mal dringend wieder alleine verreisen. Tja, nur leider kriege ich keinen Urlaub… Ich weiß, ich weiß, wir haben alle so unser Bündel zu tragen. Andere sind ärmer dran, als ich; sie kriegen weniger Kohle für mehr Arbeit, haben auch jede Menge Verantwortung, müssen sie sich um Verwandte kümmern, etc.; was fällt mir nur ein, so das Maul aufzureißen? Well, here comes, why: wenn ich nicht bald zur Ruhe komme, bin ich wieder zurück in 2014. Und ich habe keinen Bock, nochmal 18 Wochen krank zu sein, weil ich mental ausgebrannt bin.

Ich weiß also schon, was das alles bedeutet, aber ich habe keine Lösung und das steigert die Frustration noch zusätzlich. Sehenden Auges auf den Abgrund zu zu rennen, weil man einerseits eine Verpflichtung gegenüber seiner Familie, seinem Job und seinen sonstigen sozialen Kontakten verspürt und auf der anderen Seite zu ehrlich ist, um einfach mal krank zu machen, führt unweigerlich dazu, dass man sich aufreibt. Noch kompensiere ich recht gut, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie lange noch. Es ist ja auch so, dass ich im Moment auf sehr hohem Niveau funktioniere, viele Probleme gelöst bekomme, tatsächlich auch kreativ sein kann  und alles in allem ziemlich gut voran komme. Aber der Preis ist hoch. Und wenn’s nicht doch noch schief gehen soll, muss ich irgendeines meiner Engagements reduzieren. Doch genau an diesem Punkt entsteht ein Dilemma. Scheidewege sind immer gut für Dilemmata und dies ist ein Scheideweg, denn eine Entscheidung wird getroffen werden müssen, denn ich bin nicht bereit, nochmal die Ochsentour zu gehen.

Wie auch immer ich der Sache begegnen werde: irgendwas oder irgendwer wird dabei auf der Strecke bleiben müssen. Und dafür  muss ich jetzt schon um Entschuldigung bitten, denn im Grunde meines Herzens bin ich eigentlich ein Troubleshooter und Caretaker. Gut gemeinte Ratschläge nehme ich übrigens auch in solchen Zeiten nur von Freunden an, Danke der Nachfrage. Vermutlich erklären diese Worte auch, warum von mir mal wieder über 10 Wochen nichts zu hören war, aber ich hatte da was zu verdauen. Allerdings sind mitnichten ich oder dieses Blog tot. Vielleicht wird das hier mal wieder mein Ventil. Fängt ja schon gerade so an.

Sorry für den persönlichen Scheiß! Bis die Tage…

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